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Doppel-Ausstellung von Othmar Döbeli und Walter Schauenberg

Zwei Zofinger «Ethnografen» Hand in Hand

Die Zofinger Altstadt aus Sicht von Walter Schauenberg.  | Bild: zVg

Es ergab sich bei einer guten Flasche Wein, als vier verrückte Unternehmer und Sammler, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, die Idee für ein einzigartiges Zofinger Kultur-Projekt hatten.

26.09.2017 09:46, pd, 0 Kommentare

Sie alle sammeln seit Jahrzehnten Werke der beiden Zofinger Künstler Othmar Döbeli (1874-1922) und Walter Schauenberg (1884-1943). Zusammen besitzen sie vermutlich Hunderte von Werken der beiden Zofinger «Ethnografen», welche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Zofingen und die weitere Umgebung in allen Facetten (Portraits, Landschaften, Architektur…) festhielten und die eine Liebe zu heimatlichen Strohdachhäusern verband.

Die vier Kunstfreunde – Jürg Dutly (Hägglingen), Heiner Flückiger (Rothrist), Kurt Kallmann (Zofingen) und Marco Steffen (Strengelbach) – beschlossen, einen Teil ihrer Sammlungen für eine beschränkte Zeit unter dem Label «Piazzart» öffentlich zugänglich zu machen. «Was wir hier präsentieren, ist ein Stück Zofinger Zeitgeschichte», sagt Heiner Flückiger, «so konzentriert wird man diese beiden erinnerungswürdigen Zofinger Künstler ganz sicher nie mehr zu sehen bekommen.»

Zwei Künstler, zwei Ausstellungs-Plattformen

Kunst sammeln ist eine Sache, sie perfekt in Szene zu setzen eine andere. In Samuel Peyer, dem Eisen-Künstler und Kurator mit Leib und Seele aus Vordemwald, fanden sie den richtigen Partner. In minuziöser Sichtung traf er eine Auswahl aus der immensen Fülle wertvoller «Döbelis» und «Schauenbergs» und beschloss, gleichzeitig zwei örtliche getrennte Ausstellungen zu inszenieren. Für die Döbeli-Exponate wählte er das ehemalige Verkaufslokal von Freddy Gazzetta an der Vorderen Hauptgasse 46, für die Werke Schauenbergs nur einen Steinwurf entfernt das «Piazza-Studio» an der Vorderen Hauptgasse 43. «Mit diesem Konzept stehen die beiden Künstler in optimalem Dialog», sagt Peyer, der den Döbeli-Showroom zusammen mit seinem Assistenten Sepp Koch kurzerhand mit neuen Wänden auskleidete, «und wir schaffen einen einzigartigen Spannungsbogen.»

Gegen den Strom von Impressionismus und Expressionismus

Johann Othmar Döbeli wuchs in Zofingen auf und war Sohn eines Malermeisters. Sein Talent wurde früh erkannt und er besuchte die kunstgewerbliche Abteilung des Technikums in Winterthur, was der heutigen Kunstgewerbeschule entspricht. Später studierte er an den Akademien von München und Paris. Den damals heftigen Diskussionen, ja Glaubenskriegen zwischen Impressionisten und Expressionisten entzog er sich elegant, indem er weitgehend seinem geliebten Realismus treu blieb. Er war ein massgeblicher Exponent der Schweizer Künstlervereinigung «Sezession» und stellte unter anderem auch im Zürcher Kunsthaus aus.

Walter Schauenberg wurde angesichts des frühen Todes seiner Eltern, die einen Zofinger Gerbereibetrieb besassen, auf vormundschaftlichem Weg in eine Malerlehre gezwungen, entzog sich dem bürgerlichen Dasein jedoch durch den Besuch der Basler Zeichengewerbeschule und bildete sich in verschiedenen Stationen im Ausland künstlerisch weiter, bevor ihn die Liebe zu seiner Heimatregion zurückzog und er zu einem unermüdlichen Chronisten mit Farbe und Pinsel wurde. Er erlag tragischerweise einem Velo-Unfall…

Vier Samstage, dann ist Schluss

Obwohl der ganze Aufwand dem einer üblichen Galerien-Ausstellung entspricht, will Samuel Peyer die Doppel-Ausstellung Döbeli-Schauenberg bewusst kurz halten. «Das Projekt, bei dem diese beiden grossen Zofinger Meister für einmal Hand in Hand gehen, ist unwiederbringlich und soll deshalb auch von kurzer Dauer sein», sagt Peyer. Der Vernissage am Samstag, 30. September, von 10 bis 16 Uhr folgen drei weitere Samstage, ebenfalls von 10 bis 16 Uhr, an denen jedermann herzlich eingeladen ist, die Bilder auf sich wirken zu lassen. Danach verschwinden die Werke wieder bei ihren Besitzern. Zu sehen gibt es neben den Bildern auch Dokumentationen, darunter eine Anekdoten-Sammlung zu Othmar Döbeli des früheren Aarauer Kunsthaus-Direktors Heiny Widmer aus dem Jahre 1968.

Öffnungszeiten:  Samstage 30.9. / 7.10. / 14.10. / 21.10.;  jeweils 10.00-16.00;  Vordere Hauptgasse 43 und 46, Zofingen.

 

 

 

 

Altstadt | Ausgang | Kultur | Kunst | Zofingen

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