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Der Tiefbohrbär in Rothrist schreibt Geschichte

Von der Vision zum Erfolg

Carmen und Markus Bär

Carmen und Markus Bär schrieben mit ihren Entwicklungen Geschichte.  | Bild: Regina Lüthi

Die Firma Tiefbohrbär in Rothrist ist einzigartig – und zwar nicht nur Schweizweit. Weltweit geniesst die Firma einen exzellenten Ruf und ist marktführend im Bereich Tiefbohren. Ein langer Weg liegt hinter dem Firmengründer Markus Bär und seiner Frau Carmen.

29.11.2018 07:00, Regina Lüthi, 0 Kommentare

Wer sich über die Firma Tiefbohrbär informiert, sei es online oder in Broschüren, fällt einem das ungewöhnliche Auftreten des KMUs auf. Ein Bär stellt sich und seine Arbeit vor. Dass der Bär einen überall begleitet, hängt nicht nur am Familiennamen der Firmeninhaber Markus und Carmen Bär. Bei genauer Betrachtung fällt eines auf – der unumstössliche Willen, die Hingabe und das enorme Durchhaltevermögen – ein Bär eben.

Denn einfach hatten es die «Bärs» anfangs nicht. Mit einer Vision, besonders tief bohren zu können, und das vor allem mit einem neuen Qualitätsstandard, begann eine jahrelange Phase der Entwicklung und Tüftelei. Mit Rückschlägen und Erfolgserlebnissen. «Manchmal haben wir einen Umweg genommen. Aber was solls. Man lernt aus allem Etwas. Man steht wieder auf, schaut vorwärts und macht weiter.»  Dass die Firma Tiefbohrbär weltweiter Marktführer werden würde, konnte natürlich niemand vorhersehen – aber: «Man muss doch eine Vision haben im Leben. Sonst kommt man nirgends hin», so Markus Bär. Nächtelang sass er an der Entwicklung. Nach einer langen Durststrecke und dem unbedingten Willen folgte schliesslich den Durchbruch.

1999, nach drei Jahren harter Arbeit, war es dann geschafft. Keiner bohrte so tief und so fein wie der Tiefbohrbär. Markus Bär machte mit seiner Entwicklung das Unmögliche möglich. Kollegen aus der Branche rieten ihm ursprünglich sogar davon ab. Es gäbe mehr Ärger als alles andere, weil solch tiefe Bohrungen schlichtweg nicht realisierbar sein. Markus Bär bewies das Gegenteil. Heute ist der Tiefbohrbär Marktführer – und zwar weltweit. Keiner hat es bisher geschafft, auch nur annähernd die Qualität zu liefern, wie es der Tiefbohrbär kann.

Markus Bär, Firma Tiefbohrbär Rothrist

Markus Bär bei der Kontrolle der Bohrer.  | Bild: Regina Lüthi

Vergrösserung des Standortes
Bis zu drei Meter lange (oder tiefe) Bohrungen, oder Durchmesser von 0.5 Millimetern stellen keine Probleme dar. Ob im Freizeitpark, im Flugzeug, oder auf dem OP-Tisch - Die Wahrscheinlichkeit, dass Bohrungen des Rothrister Unternehmens verbaut wurden, ist sehr gross. Seine rund 2000 Kunden weltweit fertigen High Tech in den Bereichen Augenmedizin, Chemie, Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrtechnik und vielen anderen an. Oft wird ein Prototyp gebraucht, die Serie dazu wird dann in Rothrist gefertigt.  «60 Prozent unserer Arbeit ist für die Medizinaltechnik», erzählt der Firmeninhaber.

Derzeit ist eine Vergrösserung in Rothrist in Planung. Die Produktionsstätte muss verdoppelt werden. «Wir sind sehr stark gewachsen. Und wir wachsen immer noch. 2018 ist für uns das bisher erfolgreichste Jahr.» Die Vergrösserung des Betriebes hängt unter anderem mit einer Machbarkeitsstudie ITER zusammen. In Frankreich ist eine Kernfusions-Anlage am Entstehen. Hierfür soll der Tiefbohrbär die Teile liefern. «Es ist für uns absolut grossartig, dass wir als kleiner KMU-Betrieb in solch einem Projekt mitarbeiten können.» Die Auftragserteilung für das nächste Jahr dürfte eine reine Formsache sein. «Wir haben einen so hohen Standard erreicht, dass es nicht mehr möglich ist, woanders hinzugehen», ergänzt Markus Bär schmunzelnd. Das Projekt in Frankreich ist das weltweit grösste Forschungsprojekt im Bereich der Kernfusion. Eine Form der Energiegewinnung, die zukunftsweisend für die Menschheit sein wird, da sie praktisch keinen Abfall verursacht. Um die Grössenordnung darzustellen: Allein um den Reaktor herum werden rund eine Million Bauteile gebraucht. Nebst der EU arbeiten China, Russland, Südkorea, die USA, Japan, Indien – und der Tiefbohrbär an dem Projekt.

Bohrungen der Firma Tiefbohrbär Rothrist

Die feinsten Bohrungen sind dank des Entwicklungsgeistes einzigartig.  | Bild: Regina Lüthi

Nachwuchs in Deutschland
Nachwuchs hat der Tiefbohrbär ebenfalls bereits. Vor acht Jahren wurde im deutschen Albstadt eine Firma übernommen. Spezialisiert ist der Standort auf kleine Bohrungen. So ein Aufbau braucht Zeit und Geduld. Heute gedeiht und wächst die Zweigstelle wunderbar. Zehn Mitarbeiter sind dort im Einsatz, um Bohrungen für den europäischen Markt herzustellen.

Im September hob der «Bär» eine weitere Firma aus der Taufe: Den Maschinenbär. Dort werden eigene Maschinen hergestellt. Die langjährige Erfahrung fliesst in die Entwicklung und Herstellung mit ein. Die Erste ist bereits in Deutschland im Einsatz. Die nächsten beiden – eine wurde gerade eben fertig, die andere folgt im Januar – sind für den Standort Rothrist geplant. An drei weiteren Maschinen wird derzeit getüftelt und entwickelt. Ein weiterer Weg, um den Marktvorsprung weiter auszubauen.

Fragt man Markus Bär nach seinen Zielen und Visionen, lächelt der «Tiefbohrbär» nur: «Natürlich gibts Vorstellungen darüber, wie wir uns die Zukunft entwickeln wollen. Den Standort Rothrist weiter ausbauen und neue Arbeitsplätze erschaffen, ist eines der nächsten Ziele. Daran arbeiten wir ja bereits. Dass unsere Mitarbeiter glücklich und zufrieden sind und gerne bei uns arbeiten, ist uns ebenfalls ein grosses Anliegen.» Bis ein Mitarbeiter alles weiss und komplett eingearbeitet ist, braucht es rund fünf Jahre. Viermal im Jahr gibt es firmeninterne Anlässe, um den Mitarbeitern die Wertschätzung zu zeigen. So wurden zum Beispiel alle umliegenden Firmen besucht, damit man seine Nachbarn einfach auch mal kennenlernt. «Unsere Arbeit setzt sich zusammen aus einem Drittel Maschinen, ein Drittel Werkzeugzubehör und ein Drittel Mitarbeiter. Jeder, der bei uns arbeitet, ist ein <Tiefbohrbärli>», so Markus Bär.

Magazin | Rothrist | WRZ

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