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Rebellische Jugend? Das war einmal!

Wo zum Kuckuck sind die Jungen?

Mick Jagger

 | Bild: GETTY IMAGES

Oldies wie die Rolling Stones dominieren die Rock-Szene seit Jahrzehnten. Etwas muss da falsch gelaufen sein.

20.09.2017 09:59, Stefan Künzli/AZ, 1 Kommentare

Erinnern Sie sich? Rockmusik war mal eine Jugendrevolte! Ein Aufstand gegen die Konventionen der Elterngeneration. Eine Rebellion, die im Kampfschrei von The Who gipfelte: «I hope I die, before I get old».

Das Konzeptalbum «Too Old To Rock ’n’ Roll: Too Young To Die» von Jethro Tull über einen alternden Rockmusiker löste 1976 erstmals eine Debatte um das passende Alter aus. Wie lang darf ein Rockmusiker rocken? Wem gehört die Rockmusik? Viele Jahre und Jahrzehnte sind seither vergangen, doch die Helden von einst stehen immer noch auf der Bühne. Rock’n’Roll ist längst etabliert, hat längst seine revolutionäre Kraft verloren. Er gehört nicht mehr der Jugend, er gehört allen.

Wenn die Rolling Stones, alle zwischen 70 und 76 Jahre alt, heute das Letzistadion rocken, wird die Frage nach dem Alter wieder einmal diskutiert. Es ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wo sind die Jungen? Wo sind die jungen Musiker, die den alten Säcken in den Arsch treten wollen und ihnen die Vorherrschaft streitig machen? Wo sind die aufstrebenden Bands, die Jagger & Co. vom Thron stossen wollen?

Akutes Nachwuchsproblem
Es sind ja nicht nur die Stones. Die Oldies haben auch in diesem Jahr die grossen Konzerte dominiert: Deep Purple, im Mai die Arena in Genf, tingeln schon lange als Rentnerband durch die Lande. Als rüstiger 72-Jähriger präsentierte sich auch John Fogerty am Rock the Ring in Hinwil, der 77-jährige Tiger Tom Jones zeigte Montreux seine Krallen, und die Konzerte des 75-jährigen Brian Wilson und der 69-jährigen Grace Jones wurden zu überraschenden Höhepunkten des Festivals. Aber auch Steven Tyler (70) von Aerosmith beglückte das Hallenstadion mit «old shit», wie er es selbst nannte. Nicht viel jünger sind Sting (66) und Zucchero (62). Sie waren ebenso sichere Publikumsmagnete wie die 55-jährigen Axl Rose (Guns’n’Roses), Campino (Tote Hosen), Dave Gahan (Depeche Mode), Anthony Kiddis und Flea (Red Hot Chili Peppers). Und ja, Robbie Williams ist auch schon 43.

Und die Jungen? Fehlanzeige! Der 23-jährige Justin Bieber ist der Einzige der unter 40-jährigen, der in diesem Sommer die Massen in die Stadien locken konnte. Der Teenieschwarm ist der einzige Vertreter einer jüngeren Generation, du meine Güte! Was zum Kuckuck ist mit den jungen Rock- und Popmusikern los?

Dabei dürstet das Pop- und Rockbusiness nach neuen Helden und Heldinnen. Doch schon seit Jahren stossen kaum junge Bands und Musiker mehr nach, die das Potenzial haben, Stadien zu füllen. Die alten Helden sterben weg, gehen in Rente oder treten kürzer, und es rücken zu wenige nach. Der brave Ed Sheeran, der immerhin den Durst der Massen nach Melodien und Songs stillt, ist da nur die grosse Ausnahme, die die Regel bestätigt. Pop und Rock haben auf der höchsten Ebene ein akutes Nachwuchsproblem.

Dabei machen es die alten Bands den Jungen eigentlich denkbar einfach. Neues kommt von ihnen nicht mehr. Seit Jahren rezyklieren sie ihr eigenes Repertoire, werden zu Verwaltern des eigenen Nachlasses. Doch niemand aus der jüngeren Generation schafft es, das Vakuum mit neuen Ideen und Inhalten zu füllen. Es herrscht eine erschreckende Kreativitäts- und Innovationsarmut.

Konservative Jugend
«Die Schweiz am Wochenende» hat die «50 bedeutendsten Alben von 50 Jahre Rock- und Popgeschichte» eruiert (Ausgabe vom 5. August). Das Ergebnis ist erschreckend: In den letzten zwanzig Jahren sind kaum noch Alben entstanden, die die Musik geprägt oder gar in eine neue Richtung gelenkt hätten. «Seit Mitte der Neunziger ist nichts Aufregendes mehr passiert», bestätigt auch Steven Wilson gegenüber dieser Zeitung. Der britische Prog-Rocker hat mit «To The Bone» gerade ein wunderbares Album veröffentlich. Aber auch er wird im nächsten Jahr schon 50. Die Leute zwischen 20 und 30 nennt er «die Konservativsten» und fragt: Was ist bloss falsch gelaufen?»

Die Jugend hat das Privileg, dass sie auch mal über das Ziel hinausschiessen und provozieren darf. Aber wo ist die juvenile Anmassung, die Unverfrorenheit, Überheblichkeit und Aufmüpfigkeit? Die Lust am Risiko und Abenteuer? Der Hunger nach Neuem und Unerhörtem? Wo das Feuer einer Generation, die die Welt im Sturm erobern und verändern will?

Stattdessen vernehmen wir nur Selbstgenügsamkeit – oder Resignation. Wir nehmen eine Jugend wahr, die schweigt, statt schreit, kapituliert, bevor sie probiert. So scheint es bezeichnend für diese Generation der Angepassten, dass Justin Bieber und Ed Sheeran ihre Aushängeschilder sind. Sie haben nichts Besseres verdient.

Übrigens: Auch Jethro Tull sind, 41 Jahre nach «Too Old to Rock ’n’ Roll: Too Young to Die», immer noch unterwegs und machen dabei gar keine schlechte Figur. Frontmann Ian Anderson ist gerade 70 geworden. Und ja, wir freuen uns auf das kommende Album (im Oktober) des inzwischen 79-jährigen Ex-Zeppelin-Sängers Robert Plant. «Ooh yeah»!

 

 

 

 

Letzigrund

Die Rolling-Stones-Tournee rollt mit 25 Trucks durch Europa. Die Aufbauarbeiten fürs heutige Konzert im Letzigrund waren gestern schon weit fortgeschritten.  | Bild: Keystone

«Den Soundcheck machen sie selber»
Was die Rolling Stones in Zürich so alles tun und tun lassen

Die Rolling Stones sind da. Am Sonntag landete die älteste Rockband der Welt im Privatjet auf dem Flughafen Zürich. Von dort gings weiter in ihre Zürcher Stammloge, das Nobelhotel Dolder. Sänger Mick Jagger liess auf der Terrasse vor seiner Hotel-Suite Büsche aufstellen, um sich vor Paparazzi zu schützen, berichtete ein Paparazzo des «Blick». Keith Richards zeigte sich hingegen ungeniert auf dem Balkon eine Etage tiefer. Der Gitarrist trug ein TShirt mit Herz-Aufdruck und, wie meistens, ein Stirnband.

In der Stadt lassen sich die Stones ansonsten nicht blicken, erzählte ihr Produktionschef Dale Skjerseth gestern beim Medienrundgang im LetzigrundStadion, wo die Band heute ab 20.15 Uhr auftritt. «Sie bleiben in ihrer Freizeit im Hotel», so Skjerseth. «Die Stadt haben sie früher schon mal gesehen.»

Die Stones und Zürich – eine lange Geschichte. Sie begann vor 50 Jahren, am 14. April 1967, als die Band erstmals das Hallenstadion rockte. Von den Klappstühlen, die damals zu Bruch gingen, erzählt man sich noch heute in der Limmatstadt. Im Letzigrund spielten die Stones zuletzt 2014: Gitarrist Ron Wood, ihr Jüngster, feierte damals seinen 67. Geburtstag auf der Bühne. Mick Jagger überreichte ihm ein Geschenk mit den Worten «Es isch si Geburtstag», notierte der «Tages-Anzeiger».

Heute kommen sie also wieder in das Stadion gleich neben dem Schlachthof. Ihre Helfertruppe hat schon alles vorbereitet. «25 Trucks und 7 Tourbusse reisen mit den Stones, 143 Angestellte arbeiten hier im Stadion, 4 Grossleinwände werden aufgestellt», rattert Skjerseth seine Zahlen herunter. Verglichen mit anderen Weltstars sei die Materialschlacht der Stones bescheiden. Spezialwünsche der Stones? «Kein Regen. Und das alle glücklich und gesund sind», sagt der Produktionschef.

Er war auch schon mit Guns’n’Roses und AC/DC unterwegs. Wie sind die Stones so im Vergleich? «Sie sind absolute Profis», sagt Skjerseth. «Sie interessieren sich für jedes Detail, was den Klang betrifft.» Am Showtag würden sie den ganzen Tag im Stadion verbringen. «Den Soundcheck am Nachmittag machen sie selber. Er dauert so lange, wie sie es richtig finden.» Sorgfalt im Umgang mit der Technik ist keine schlechte Idee. In Fan-Berichten über die am 9. September in Hamburg gestartete Europa-Tournee ist nämlich von technischen Problemen zu lesen, die dazu geführt hätten, dass die Bandmitglieder einander zeitweise angeblich kaum hören konnten. Oder war es Erschöpfung, die dazu führte, dass die über 70-jährigen Herren bei ihren über zweistündigen Shows manchmal aneinander vorbeispielten? Wie auch immer: Alles in allem sind die Kritiken positiv. «Sie entrosten sich von Konzert zu Konzert», sagt ein Zürcher Fan, der sowohl beim Tournee-Auftakt in Hamburg als auch beim letzten Stones-Gig bei Graz dabei war.

«Nach dem Soundcheck bleibt die Band im Stadion», fährt Skjerseth fort. Jedes Bandmitglied habe seine eigene, mit mitgebrachten Möbeln eingerichtete Garderobe. «Freunde kommen, Gäste kommen, auch ein Übungsraum ist vorhanden», berichtet der Produktionschef weiter. «Es ist alles ziemlich Routine für sie. Wir arbeiten daran, dass sie keinen Stress haben.» Nach dem Konzert verlasse die Band sofort das Gebäude. Das Gerüst ihrer zweiten Bühne wartet schon im italienischen Lucca, der nächsten Tourneestation.

Vor dem Stadion beantwortet noch André Béchir Journalistenfragen. Der Veranstalter hat seit 1972 alle 13 Auftritte der Stones in der Schweiz organisiert. «Sie schätzen es, dass sie in der Schweiz Privatsphäre haben», sagt er.

Die 48'000 Tickets für das Konzert im Letzigrund sind nahezu ausverkauft, trotz hohen Preisen. Am Dienstagnachmittag waren bei Ticketcorner noch vereinzelte Karten ab 270 Franken erhältlich. Den Besuchern wird aufgrund der intensiven Sicherheitskontrollen empfohlen, frühzeitig da zu sein. Türöffnung ist um 16 Uhr. Gepäckstücke, die grösser als A-5-Format sind, dürfen nicht ins Stadion.

Kommentar | Kultur | Musik

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Kommentare (1)

Arnold | am 20.09.2017 um 13:00 Uhr
Vermutlich liegt's an den hohen Ticketpreisen. Ich wäre gerne hingegangen, aber nicht für CHF 300.00 :-(


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