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Benjamin Giezendanner und Daniel Hölzle im «grünen» Interview

Wenn Giezi ein Hölzle schlägt

Politiker Benjamin Giezendanner (Nationalrat/SVP) und Daniel Hölzle (Grossrat/GP) im Weihnachtstest. Ihre Gemeinsamkeit: die Farbe Grün. Bei Daniel ist sie Programm – bei Benjamin im Partei-Logo.

26.11.2019 09:08, adi/jl, 0 Kommentare

Die grüne Welle ist bei den Parlamentswahlen über die Schweiz geschwappt, aber an Weihnachten macht sie das ja eigentlich immer: Grün ist der Weihnachtsbaum und grün sind die Adventskränze. Wir haben Benjamin Giezendanner und Daniel Hölzle darum gefragt: Wie haltet Ihr es mit der Farbe Grün?

Gehört zum Weihnachtsfest ein Weihnachtsbaum?

HÖLZLE: Für mich nicht.

GIEZENDANNER: Der Christbaum gehört für mich zum Weihnachtsfest. Er strahlt Festlichkeit und Gemütlichkeit aus und das gemeinsame Schmücken mit meiner Familie ist ein jährliches Highlight.

Woher bezieht ihr den Baum?

HÖLZLE: Weihnachtsbäume sind Ziermüll. Da verzichte ich gerne darauf und setze dafür auf Obstbäume im Garten. Die werfen was ab.


GIEZENDANNER: Obwohl Aargauer habe ich einen Baum aus einem solothurnischen Wald. Diesen Baum fällen wir jeweils mit meinem
Schwager zusammen an einem Samstag im Dezember auf dem «Grod». Dem Weihnachtsfest fallen tausende von Bäumchen zum Opfer.

Das muss dir, Daniel, doch ganz besonders weh tun, wenn so Jung-«Hölzle» geschlagen werden, oder?

HÖLZLE: Wenn Hölzle geschlagen werden, tut das natürlich weh. Schade ist es aber vor allem um die Flächen, die eigentlich besser genutzt werden könnten als für die Aufzucht von Weihnachtsbäumen. Hinzu kommt der ganze Transport, der eigentlich auch unnötig ist.

Benjamin, für dich ist’s ein Segen – nicht dass Hölzle gefällt werden, sondern dass sie aus dem Ausland zu uns transportiert werden müssen. Ein fettes Geschäft für Transportunternehmen, mit noch fetteren CO2-Belastungen durch die Brummis ...

GIEZENDANNER: Der Konsument bestimmt das Angebot und anscheinend kann der schweizerische Markt nicht genügend Tannenbäume bereitstellen. Persönlich will ich eine Schweizertanne und keine billige Kopie aus Greta-Land.

Daniel, du müsstest dich doch dafür einsetzen, dass das Abholzen von Bäumen zu Weihachten grundsätzlich verboten wird. Wie willst du vorgehen?

HÖLZLE: Ich sehe andere Bereiche, wo Verbote sinnvoller sind. Ich lasse allen die Freude am Weihnachtsbaum und verzichte aber selber gerne darauf.

Die Farbe Grün ist auch Symbol für Unerfahrenheit. Benjamin, du bist 
ein nationalrätlicher Grünschnabel – was entgegnest du auf diesen Vorwurf?


GIEZENDANNER: Als Grünschnabel bezeichnet zu werden ist mir eine Ehre. Ein Grünschnabel ist neu und unverbraucht und darf manchmal auch eine «vorlaute» Forderung platzieren, die man ihm verzeiht.


Was ärgert euch grün und blau?

HÖLZLE: Einerseits, dass es in der Klima- und Umweltpolitik viel zu langsam vorwärts geht. Anderseits ärgert mich der Konsumwahn in der Weihnachtszeit.

GIEZENDANNER: Momentan ärgern mich die völlig unrealistischen und weltfremden Forderungen der Grünen. Unsere Wirtschaft und unsere Einwohner sind schon lange sehr umweltbewusst und werden auch ohne neue Gesetze und Auflagen weiterhin nachhaltig denken.

Süsser die Kassen nie klingeln: Gebt ihr grünes Licht für offene Verkaufszeiten während des Weichnachtsmonates?

HÖLZLE: Weihnachten ist aus meiner Sicht ein Konsumfest. Das geht in die völlig falsche Richtung. Daher klar Nein.

GIEZENDANNER: Die bestehenden kantonalen Regelungen mit zwei bewilligungsfreien Sonntagsverkäufen berücksichtigt die Anliegen der Gewerbetreibenden, der Arbeitnehmenden sowie der Konsumenten. 

Grünflächen: Sie verschwinden immer mehr, weil immer mehr Menschen in der Schweiz leben, die Wohnraum brauchen. Soll nun die Zuwanderung oder die Zubetonierung der Schweiz gestoppt werden?

HÖLZLE: Für mich müssten klar die Bauzonen verbindlich und langfristig
begrenzt werden. Es braucht auch innovative Wohnkonzepte. 

GIEZENDANNER: Eine wachsende Bevölkerung wird auch mehr Ressourcen
benötigen. Grundsätzlich wird das verdichtete Bauen dazu führen, dass die Schweiz nicht in der Fläche wächst sondern in die Höhe. Gleichwohl müssen wir uns darüber unterhalten, wieviel Zuwanderung wir benötigen und wünschen. Eine zunehmende Zuwanderung von niedrigqualifizierten Einwanderern wird uns neben ökologischen Herausforderungen auch massive soziale Probleme bringen.

Grünabfuhr: Die Grünen möchten einen Bundesratssitz. Ist diese Forderung
berechtigt, oder soll ihr eine Abfuhr erteilt werden?

HÖLZLE: Berechtigt ist sie nach den Wahlen auf jeden Fall. Es braucht
im Bundesrat eine grüne Stimme, damit die dringenden Umweltthemen
endlich angegangen werden.

GIEZENDANNER: Aus meiner Sicht darf die Forderung nach einem Bundesratssitz durchaus gestellt werden. Jedoch sollte sich die Bundesversammlung daran halten, bestehende Bundesräte einer Partei erst nach deren Rücktritt durch eine andere Partei zu ersetzen. Ausserdem glaube ich an eine «Modeerscheinung» der Grünen, welche die nächsten eidgenössischen Wahlen nicht überdauern wird.

Grüntee: Übergewichtige Menschen belasten das Gesundheitswesen stärker, als Menschen, die auf eine gesunde Ernährung achten. Tarifgestaltung nach Verursacherprinzip könnte Wirkung zeigen – wer aufgrund ungesunder Ess- und Trinkgewohnheiten übergewichtig
ist, soll mehr Krankenkassen-Prämien bezahlen. Wirst du dich dafür stark
machen?

HÖLZLE: Nein, Genuss gehört zum Leben dazu. Ich bin da gerne solidarisch.

GIEZENDANNER: Jeder Mensch hat eine andere Konstitution und der wichtigste Pfeiler unseres Gesundheitswesens ist das Prinzip der Solidarität. Das Verursacherprinzip müsste nicht nur Ess- und Trinkgewohnheiten, sondern viele Parameter wie Abnutzungen aus sportlichen Tätigkeiten oder exzessives Verhalten miteinbeziehen. Am Schluss steht der «gläserne Bürger» da, welcher zur Kasse gebeten wird.

Grünspan steht für Verwitterungsprozess: Sollte die Amtszeit für Politiker generell beschränkt werden, damit sie keinen Grünspan ansetzen?

HÖLZLE: Nein, das sollen die Parteien und Wählenden bestimmen. Wir Grüne sind generell gegen Fossile – also bei den Energien und in der Politik – und haben die Kultur, dass es immer wieder frischen Wind braucht.

GIEZENDANNER: Die Wählerschaft hat bei diesen Wahlen eindrücklich gezeigt, dass es keine Amtsdauerbeschränkungen braucht. Über den grünen Klee loben, heisst, jemanden über Gebühr loben – gilt dies zum Beispiel für Greta Thunberg?

HÖLZLE: Die Reaktionen, die Greta auslöst, zeigen, dass sie einen wunden Punkt anspricht. Wäre es nur Dampfgeplaudere, würde sie nie eine solche Resonanz erzielen. Die Wahrheit tut manchmal weh.

GIEZENDANNER: Das Phänomen Greta war für mich in diesem Jahr sehr eindrücklich. Insbesondere die Schweizer Medien haben während Wochen, sogar Monaten, die Geschichte um Greta am Leben gehalten, obwohl die Story abgenutzt war. Diese Erscheinung hat einen gewissen Anteil am Wahlerfolg der Grünen.

Am grünen Tisch entscheiden steht für bürokratische Entscheidung mit wenig Bezug zur Realität, bzw. zur Praxis. Sitzt die Politik zu sehr am grünen Tisch?

HÖLZLE: Es hängt in Zeiten von Fake-News halt auch davon ab, in welcher Filterblase oder Realität man lebt. Da gehen die Meinungen auseinander. Nehmen wir das Beispiel Klimaschutz. Kritische Stimmen vertreten die Meinung, Massnahmen gegen den Klimaschutz seien realitätsfern. Wir sind aber klar der Meinung, dass es realitätsfern ist, so weiterzumachen wie bisher. Die Wissenschaft stützt diese Sichtweise. Trotzdem gibt es Menschen, welche dies nicht wahrhaben wollen.

GIEZENDANNER: Ich fühle mich nicht betroffen, denn ich sitze halt gern am «grünen» Stammtisch und bin dem allgemeinen Volk und nicht nur der grünen Welle verpflichtet.

Grüne Welle auch auf der Strasse – Elektroautos brauchen Strom. Wo hernehmen, damit es eine saubere Sache ist?

HÖLZLE: Ein grosses Potenzial hat die Photovoltaik. Da muss es dringend schneller vorwärts gehen. Aber auch beim Wind, bei der Geothermie ist noch Luft nach oben. Generell braucht es aber mehr Effizienz und ein Umdenken bei der Mobilität.

GIEZENDANNER: Die Elektromobilität wird mittelfristig ein festerBestandteil unserer Mobilität werden. Jedoch ist die Versorgungsfrage nicht geregelt und wird uns ohne nennenswerte wissenschaftliche Durchbrüche dazu zwingen, «dreckigen» Importstrom mit einem riesigen CO2-Fussabdruck zu importieren, oder ein neues Kernkraftwerk zu bauen. Als Unternehmen leben wir die «grüne Welle» schon seit Jahren vor. Zurzeit bauen wir in Rothrist eine grosse Solaranlage, die uns am Tag mit Energie versorgt.

Grüne Skipisten – zum Glück gibt es Schneekanonen. Eine gute Sache für die Schweiz, aber schlecht für den ökologischen Fussabdruck. Nötig?

HÖLZLE: Ich stand schon lange nicht mehr auf einer Piste. Après-Ski geht auch ohne Schnee ganz gut…

GIEZENDANNER: Unsere Tourismusgebiete sind auf gute Skipisten angewiesen und müssen dafür je nach Schneeverhältnissen künstlichen Schnee produzieren. Sofern der Schnee während dem Tag produziert wird, könnte der Überschuss an Solarenergie effizient und wirtschaftlich genutzt werden. Leider können wir das massive Überangebot an Solarstrom im Sommer nicht in Schnee umwandeln, da dieser wieder schmelzen würde… .

Wenn ihr eure Politik-Karriere nochmals auf der «grünen Wiese» beginnen könntet: Was würdet ihr anders machen?

HÖLZLE: Ich würde mich früher bei meiner Partei – also den Grünen – engagieren. Ich wollte mich lange nicht parteipolitisch engagieren,
da ich das Gefühl hatte, dass es einschränkt. Mitmachen gibt aber die Möglichkeit, Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen.

GIEZENDANNER: Ich würde mich nicht nochmals mit 18 Jahren auf die Wahlliste setzen lassen, sondern etwas länger warten und in den Jugendjahren mehr Zeit im Ausland verbringen. 

Welches Weihnachtslied wird bei euch am Weihnachtsabend garantiert gesungen?

HÖLZLE: Ich bin quasi allergisch gegen Weihnachtslieder. Die Texte sind dermassen sinnbefreit, dass ich es nicht aushalte. Manche Menschen behaupten, Punkrock mache aggressiv. Bei mir haben Weihnachtslieder und
Schlager diesen Effekt.

GIEZENDANNER: Oh du fröhliche…

Benjamin Giezendanner und Daniel Hölzle

Benjamin Giezendanner (links) im Rothrister Wald - Daniel Hölzle vor dem Apfelbaum in seinem Garten.  | Bild: adi

Magazin | Rothrist | Zofingen

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