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Kunsthaus Zofingen

Schimmerndes Seidengarn und Schmetterlingsstaub

Plastisch leuchtende Farbgewirke: Lisa Stauffers Webarbeit «Winkelgeschichte» (links) und die wollene Arbeit «Bedrohtes Licht» (rechts).

Plastisch leuchtende Farbgewirke: Lisa Stauffers Webarbeit «Winkelgeschichte» (links) und die wollene Arbeit «Bedrohtes Licht» (rechts).  | Bild: mif

Lisa Stauffer und Lorenz Schmid teilen sich im Kunsthaus Zofingen Raum und Bild der Seele.

15.01.2016 09:55, mif, 0 Kommentare

«Psyche» war der Name, den die alten Griechen dem Schmetterling gaben. Sie hielten diese Insekten für die Seelen der Toten. Eine Vorbotin des Schmetterlings, die Seidenraupe, spinnt den Faden, den die Textilkünstlerin Lisa Stauffer (1931-2009) zu aufwendigen Webarbeiten verarbeitet. Nur: Um Seide zu gewinnen, darf die Raupe gar nicht erst zum Schmetterling werden. Lorenz Schmid (*1982) zeigt diesen Schmetterling. Allerdings nicht als flatterndes Insekt, sondern als blosse Spur. Schmid sammelt deren Staubabdruck, der sich auf dem Glas von ausrangierten Insektenkästen festsetzt. Er präpariert diese Platten und macht das Staubgebilde mithilfe von Lichtbrechungen hinter Glas sichtbar.

Räumlich miteinander verbunden

Beide Künstler schaffen so Werke von durchdringender Präsenz. Beide sind sie auch räumlich miteinander verbunden. Lorenz Schmid übernahm das Küttiger Atelier der Textilkünstlerin. Lisa Stauffers Werke sind von enormer Leuchtkraft. Die Künstlerin, die 1975 bis 1987 in Zofingen lebte und hier mit dem Kunstmaler Jacques Knecht eine amour fou durchstand und abbrach, ist mit herausragenden Werken präsent. So filigran und präzis ihre Arbeiten sind, so streng ist sie mit sich selbst: «Dilettantisch» nennt sie ihre grossformatige wollene Webarbeit «Bedrohtes Licht» (1968).

Wer dieser Aussage ästhetisch beikommen will, schiesst sein Weberschiffchen ins Leere. Mit «dilettantisch» meint sie auch die Machart dieses Teppichs. Ihr Weben und Wirken ist Techne im Sinn der alten Griechen, die nicht zwischen Technik und Kunst unterschieden. Senkrechte und Waagrechte von Zettel und Eintrag beim Webrahmen geben Lisa Stauffer eine Struktur vor, der sie sich fügt, die sie aber auch durchbricht, wenn sie kann und will.

Fein liniert klaren Ausdruck

Der Wandteppich sollte ihre letzte Wollarbeit bleiben. Ab den 70er-Jahren verwob sie nurmehr Textilseide. Diese erlaubte ihr einen fein liniert klaren Ausdruck und verlieh ihr die Möglichkeit, den Lichteinfall subtil zu brechen und zu modellieren. Und dies in grossen Dimensionen. Stets dachte sie in geometrischen Formen, Farbflächen und technischen Problemstellungen. Vorab-Zeichenskizzen erschienen ihr absurd. Für ihre teils überdimensionalen Arbeiten auf dem drei Meter breiten Webrahmen stellte sie höchstens kleinformatige Webeskizzen her. Das abgeschlossene Werk vergegenwärtigte sich ihr erst im Prozess der stundenlangen, kleinteiligen Arbeit. Sie selbst schrieb einmal, wie dabei «fortlaufend Einzelheiten entstehen können, die mit fixierten Absichten unvereinbar sind».

Über einen Zeitraum von 40 Jahren lässt sich verfolgen, wie diszipliniert sich Lisa Stauffer technischen Hürden stellte und diese findungsreich mit Techne umschiffte. So streng ihre Linien sind, in ihrem klaren Forscherblick glänzt erfrischender Schalk. Die einen oder anderen Einschlüsse in den Webarbeiten geben lebhaft Zeugnis davon. Eingespannt in Waag- und Senkrechte ringt sie um geometrische Formen, Farben und Farbenspiele und fügt Stränge zu lesbaren Texturen zusammen. Dem Verlauf der Fäden zu folgen, und dieses Gewirke dem Eindruck des Ganzen aus der Distanz gegenüberzustellen, ist ein ästhetischer Genuss.

Staubbild und seelische Essenz

Lorenz Schmid ist kein Weber, sondern ein Finder. Sein Interesse gilt dem flüchtigen Bild, das sich der Staub schafft, indem er sich im Verlauf von Jahren in den feinen Zwischenräumen zwischen Objekten und Vitrinenglas ablagert. Er hat einige Schmetterlingsvitrinen präpariert und so, wie er sagt, «Zeitkapseln» hergestellt, die vom ersten bis zum jüngsten Staubpartikel einen

festen Zeitraum konservieren. Der präparierte Schmetterling selbst ist schon lange zerfallen. In der Spur seines Staubbildes gelangt er zu seiner letzten Metamorphose. Gilt der Schmetterling schon als Spiegel der Seele, erlangt er in seinem Staubbild seine flüchtigste seelische Essenz.

Kunsthaus Zofingen, Do 18-21 Uhr und Sa/So 11-18 Uhr. Vernissage Sa 16. Januar 17 Uhr.

 

Kunst | Zofingen

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