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Regiokönstler, Teil 1: Dylan Gonzalez

«Ds Equimpment spelt gar kei Rolle, sondern meh was du demet machsch»

 | Bild: Dylan

In unserem neuen Format «Regiokönstler» stellen wir Leute aus der Umgebung vor, die etwas Kreatives erschaffen. Sei es im Bereich Fotografie, Design, Film oder Musik - Regiokönstler thematisiert sowohl die Kreationen als auch die Personen dahinter.

In Whiplash (2014) geht um den jungen, ambitionierten Jazz-Drummer Andrew Neiman (Miles Teller), der versucht, an die Spitze seines elitären Musikkonservatoriums aufzusteigen. Dafür muss Andrew viele Opfer bringen, aber seine Leidenschaft, Perfektion zu erreichen, wandelt sich schnell in eine Art Besessenheit, da sein rücksichtsloser Lehrer ihn an seine Grenzen drängt. Spoiler: Die ganzen Mühen haben sich tatsächlich ausgezahlt! Er schafft es sein Ziel zu erreichen.
 | Bild: ondss.com

01.12.2018 18:00, bang, 0 Kommentare

Dylan Gonzalez ist leidenschaftlicher Filmemacher und Fotograf. Er hat sich bereit erklärt, mir in einem Gespräch ein bisschen über sich, seine Philosophie und Ziele sowie über seine Bilder und Videos zu erzählen.

Dylan

Dylan Gonzalez wohnt in Erlinsbach und hat seine Ausbildung als Informatiker in Fachrichtung Applikationsentwicklung abgeschlossen. Ursprünglich kommt Dylan aus Los Angeles, USA, und ist als Kind in die Schweiz gezogen. Der nicht nur amerikanisch, sondern auch philippinisch verwurzelte Zwanzigjährige hatte schon immer eine grosse Faszination für Filme. Zu seinen Hobbys gehört so ziemlich alles, was eine Kamera involviert: Fotografie, Video, Film. Sein Lieblingsfilm ist Whiplash, primär wegen der Moral, die er vermittelt: Harte Arbeit zahlt sich aus.

Im Portfolio auf seiner, als Informatiker selbstverständlich selbstgemachten, Webseite sind viele verschiedene Videos zu sehen: Von Aftermovies über Lookbooks zu offiziellen Werbevideos. Obwohl deren Qualität und Vielfalt schon sehr stark sind, hat Dylan grösseres im Blick: Er will kein Videomacher, sondern Filmemacher werden. Diese Videos gelten trotzdem als sehr gute Übung und als Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und neue Leute zu treffen. Selbes gilt auch für seine Portraits auf Instagram: Übung, Erfahrungen und Networking.


Fotoshootings

Der Grund, weshalb sich Dylan bewusst auf die Portraitfotografie spezialisiert hat, ist der Vorteil, immer ein Motiv zu haben, welches sofort den Blick des Betrachters anzieht. Ausserdem passen Portraits auch sehr gut zu Instagram als Plattform, da diese sich primär um Personen dreht.

Beim Shooting ist das Ziel jeweils, natürlich wirkende Bilder zu bekommen. Hierbei variiert es je nach Person, wie viel Dylan sie anweisen muss. Da sich natürlicherweise die Selbstwahrnehmung mit der wirklichen Erscheinung differenziert, sei es besonders wichtig, dem «Model» konstant Feedback zu geben. Gegen Ende des Shootings gelingen immer die besten Fotos da sich die Models an das Shooting gewöhnen und sich wohler und weniger gestresst fühlen. Sie verstellen sich weniger, womit das Ziel, natürliche Fotografien zu bekommen, erreicht ist. So kommt oftmals wirklich die Person als Individuum zum Vorschein, worum es ja in der Portraitfotografie letztendlich geht. Einige seiner Fotos sind sogar «off-guard» geschossen worden, also nicht beim Posieren, sondern in einer Pause!


Matrix-Portraits

Neuerdings hat er auch mit sogenannten «Bullet Time-Bildern» angefangen, indem er mit einer Kamera mit vier Linsen gleichzeitig ein Foto schiesst und diese dann zusammenfügt. Es fängt den Moment noch mehr ein, genau wie im Film Matrix, nur mit nicht ganz so vielen Linsen. Besonders verstärkt wird dieser Effekt des Einfrierens, wenn etwas in der Luft ist, wie oben zum Beispiel der Skater und unten die Seifenblasen.


Bildbearbeitung

Dylan fotografiert und filmt mit Canon und Sony, jedoch meint er: «Ds Equimpment spelt gar kei Rolle, sondern meh was du demet machsch.»
Besonders heutzutage sind die Kameras der Handys sehr gut entwickelt und haben optimale Automatik, mit der man viel schneller handeln und deutlich weniger zeitintensiv zu sehr guten Ergebnissen kommen kann. Beim Videoschneiden greift er zu Adobe After Effects und bei der Bildbearbeitung bevorzugt er Adobe Lightroom noch vor Photoshop. «Photoshop het Sache wo Lightroom ned het und Lighroom het t'Eifachheit, wo Photoshop ned het.»

Oftmals wird das Bearbeiten von Fotos als Veränderung der Realität verstanden und negativ angesehen, Dylan sieht es ein wenig differenzierter:
«Es chonnt emmer chli of de Kontext druf ah [...], wenn du nor of Instagram Sache postisch, chasch eifach poste was du wotsch. Wenn du jetz aber en Tierfotograf besch of NationalGeografic, dörte chasch du nüt öberzieh. Dört muesch wörklech luege.»



Videoportraits

Künstlerische Vorbilder hat Dylan keine, vielmehr Inspirationen, wie zum Beispiel die Videos von Sam Kolder. Beim Fotografieren ist es viel schwieriger einen eigenen Style zu finden, ganz im Gegensatz zu Video und Film, welche aus viel mehr Komponenten bestehen, wie zum Beispiel Zeit, Schnitt oder Musik. «Be Videos eschs eifacher einzigartiger z'si.»
Somit ist es auch umgekehrt einfacher, Nachahmungen zu erkennen. Bei den Fotos hingegen gibt es gezwungenermassen viele Ähnlichkeiten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Lookbook-Video mit dem Model «Liv», die nach einigen Fotoshootings etwas Neues ausprobieren wollte. Hier kommt etwas Einzigartiges zum Vorschein, im Gegensatz zu den klassischen Portraits. Auf mich wirkt es wie ein Portrait in Videoform.



Die richtige Strategie

Angefangen hat es mit blossem Drauflosfilmen, wobei sich das anschliessende, improvisierte Zusammenschneiden des Filmmaterials zu einem fertigen Video als sehr schwierig erwies. Daraus gelernt versuchte Dylan bewusster zu filmen, indem er anfangs immer das absolute Minimum an bestimmten Aufnahmen filmte, um damit die beabsichtigte Geschichte erzählen können. Die Schwierigkeit hierbei liegt oftmals daran, dass die eigenen Vorstellungen nicht mit der Realität übereinstimmen und Überraschungen aufkommen, weshalb Flexibilität und Improvisation besonders wichtig sind. Trotzdem gestaltet sich der Schnitt mit dieser Kombination zwischen essentiellen Aufnahmen und improvisierten Aufnahmen viel leichter.

Selbstverständlich ist im Gegensatz zu Videos bei wirklichen Filmen natürlich deutlich mehr Zeit in die Planung zu investieren, um Unerwartetes zu vermeiden, betont Dylan. Bei Aftermovies zum Beispiel ist das jedoch nicht möglich. «Es esch halt alles echt, du hesch weniger Kontrolle». Häufig wird bei Aftermovies in den Club gearbeitet: Anfangs vom Clubgebäude von aussen, bis, beim Höhepunkt der Hintergrundmusik, die ganze tanzende Menge zu sehen ist.


Horror-Lampen

Das wichtigste in einem Film ist die Geschichte, die er erzählt. Alles andere wie zum Beispiel Schnitt, Cinematografie, Musik, visuelle Effekte, etc. ist Mittel zum Zweck und nur unterstützend. Das ist auch der Unterschied zu den Videos, die eher effektbasierend sind und es somit oftmals genau umgekehrt ist. 

«Es guets Video, a das erennerisch dech [...] velecht es Johr, aber en rechtig gueti Story, wo dech berüehrt, wo dech metnemmt, es ganzes Lebe.»

Besonders für Dylan ist auch die Musik wichtig, da er häufig auf die Musik passend schneidet damit sie unterstützend wirkt. Ein gutes Beispiel ist sein Werbevideo für eine Lampe. Bei diesem Video hat er sich tatsächlich von alten Horrorfilmen inspirieren lassen, die zuerst nur Details des Monsters gezeigt haben, womit es noch ominöser wird und den Zuschauer neugierig macht. Genau diese Neugierde hat er auch durch das Zeigen von Details der Lampe erzeugt und nach und nach mehr gezeigt, bis die Lampe als Ganzes erscheint und für den Zuschauer eine Art Zufriedenheit auslöst. 


Screenings vor Ausstellungen

Dylans grosses Ziel ist es, Film-Direktor zu werden. Mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, die eigene Versionen umsetzen, ist spannend und zugleich herausfordernd. Die Schwierigkeit liegt im Vermitteln der eigenen Vorstellungen, zum Beispiel den Schauspielern. Daher lohnt sich die Portraitfotografie besonders als Übung, da er auch mit den Models kommunizieren muss.

Wie bereits erwähnt hat Dylan keine künstlerischen Vorbilder, allerdings hat er durchaus Vorbilder im philosophischen Sinne. Um seinen Traum umzusetzen, ist Dylans Philosophie stark von Menschen wie Andrew in Whiplash inspiriert und beeinflusst. Menschen, die kreativ und innovativ sind, Neues ausprobieren und bereit sind, Risiken einzugehen. Menschen, die auch bereit sind, Dinge aufzugeben und Kompromisse einzugehen, um ihr Ziel zu erreichen. Menschen, die mit grosser Hingabe und Leidenschaft alles geben, um ihren Traum umzusetzen.

«I wot lieber öppis Onsechers mache ond schittere als secher z go ond deför ned ganz das z'mache was ich wot.»

Übrigens entscheidet sich Dylan bewusst gegen eine Ausstellung, allerdings, so betont er: «Wenn ich denn mol Felme mache, wotti denn mini Screenings em Kino gseh!»



Hier könnt ihr Dylan finden

Dylan's Webseite: https://dylangonzalezz.github.io/#/

Dylan auf Instagram: https://www.instagram.com/dylonski/

Dylan auf Vimeo: https://vimeo.com/dylonski/

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