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Feststadt Zofingen

In der Stadt geht's richtig ab

Altstadt Zofingen, mit Schwingarena

Seltenes Bild: Eine Schwingarena, inmitten der Zofinger Altstadt.  | Bild: Jona Weyermann / Das Bild GmbH

Der Thutplatz als Arena für ein Schwingfest, wie geil war das denn! Überhaupt: Zofingen als Kulisse für einen Outdoor-Event - passt doch immer, oder?

26.06.2019 16:23, dev, 0 Kommentare

Schwingfans und alle, die anwesend waren, werden zustimmen: Es
war das beste Kantonale, das der Aargau je gesehen hat. Nicht unbedingt
aus sportlicher Sicht, da gab es schon spannendere Schwingfeste,
das Ambiente allerdings, das war schlicht konkurrenzlos. Eine
Arena auf dem Thutplatz, im Herzen der Stadt Zofingen, das ist kaum
zu toppen.

Kreativ statt Faust im Sack
So gelungen der Sportevent auch war, nicht alle teilen den Applaus. Eine Veranstaltung mit den Dimensionen eines kantonalen Schwingfestes, eines Bio Marchés oder eines Weihnachtsmarktes hat zwangsläufig auch unliebsame Konsequenzen. Zum Beispiel ein stark eingeschränktes Parkplatzangebot. Das halte viele Leute davon ab, in die Stadt zu kommen und mindere so den Umsatz. Ein Standpunkt, den man aus Perspektive des Gewerbes einnehmen kann. Es gibt aber auch eine andere Sichtweise. Adrian Gaberthüel, Präsident des Gewerbevereins Zofingen, erwähnt die 20 Gewerbetreibenden, die das Kantonale Schwingfest als Chance sahen und ihre Geschäftslokale für einmal auch am Sonntag öffneten. Eine gute Idee, findet Gaberthüel, der mit dem Beispiel aufzeigen will, dass man mit Kreativität vermutlich besser fahre als mit einer Faust im Sack. «Wichtig ist die Kommunikation zwischen Veranstalter und Gewerbe», betont Gaberthüel, «rede metenand», sei meistens zielführend.

Dass ein Event in der Stadt eine Bereicherung für das lokale Gewerbe sein kann, sieht auch Brigitte Albisser so. Als Leiterin Stadtmarketing und Sport begrüsst sie Kooperationen zwischen Veranstaltern und lokalen Partnern, das heisst, das Gewerbe wird nach Möglichkeit in die Veranstaltung miteinbezogen. Je nach Art der Veranstaltung würden mal die Gastronomie, mal die Hotellerie oder vielleicht auch andere Gewerbetreibende in unterschiedlichem Ausmass mitprofitieren. «Grossveranstaltungen wie der Powerman tragen zudem die Marke Zofingen in die Welt hinaus und locken Leute an, die sonst nie zu uns kommen würden.»

Früher Zelt, heute Hotel
Oder auch Menschen wie Corinne aus dem Luzernischen. Corinne ist eine Heitere-Open-Air-Besucherin der ersten Generation. «Früher gabs nur Zelten, ab einem gewissen Alter aber schätzt man die Annehmlichkeiten eines Bettes, einer Dusche und eines eigenen WCs. Für mich und viele meiner Freunde gilt mittlerweile abchillen auf dem Heitern, übernachten im Hotel» – voilà! An Schlaf auf dem Heitere-Zeltplatz sei eh nicht zu denken. Apropos: In jeder Altstadt kann die Nachtruhe gestört sein, und das nicht nur bei Veranstaltungen mit krassem Lärmpegel, im Gegenteil. Björn L. (richtiger Name der Redaktion bekannt), erinnert sich an seine Zeit in der Schmiedgasse Zofingen: «Beim Zapfenstreich wusste ich, es gibt eine lange, laute Nacht. Auch bei anderen Veranstaltungen konnte ich mich auf mehr oder weniger Lärm einstellen. Störender seien Nachtschwärmer, die nach Polizeistunde rücksichtslos lallend und grölend durch die Gassen ziehen. Björn: «Verpampter Lärm zu einem nicht mehr definierbaren Klumpen ist deutlich angenehmer zu ertragen, als wenn man Einzelstimmen wahrnimmt.» Unter dem offenen Schlafzimmerfenster laut diskutierende Zeitgenossen, «das ist übel», sagt Björn. Noch übler seien die beiden Einbrüche in ein nahe gelegenes Bijouterie-Geschäft gewesen. Zuerst das krachende Bersten der Schaufensterscheiben, dann die Alarmanlage die losheulte. Björn konnte von seinem Wohnzimmerfenster aus alles beobachten. «Das war Action, die man nicht alle Abende erlebt».

Überfall und Abfall
Eine Art von Action, die natürlich hochgradig kriminell ist. Wer seine Veranstaltung «legal» in der Stadt durchführen will, hat klare Kriterien zu erfüllen. Es gilt nationale, kantonale und auch ortsspezifische Auflagen einzuhalten. Brigitte Albisser: «Zu einem Veranstaltungsgesuch gehört ein Konzept. Darin müssen Lösungen zu den Auflagen definiert sein.» Gibt es Differenzen oder Unklarheiten, etwa zu Fragen der Sicherheit, verlinken wir den Gesuchsteller an die zuständigen Stellen, zum Beispiel die Regionalpolizei.» Nebst der gesetzlichen Seite gibt es die weichen Faktoren. Wichtige Frage: Ist eine Veranstaltung mit den Werten vereinbar, für welche die Stadt einsteht? Entscheiden über neue Grossveranstaltungen würde immer der Stadtrat, «wir vom Stadtmarketing geben nur Empfehlungen ab», sagt Brigitte Albisser. Ein Thema, das in den vergangenen Jahren vermehrt als Problem wahrgenommen wird, ist Littering. Beispiel: Wer den «Heitere danach» besucht, traut seinen Augen kaum, eine Abfallwüste sondergleichen, was da anzutreffen ist. Aber: Die Abfallentsorgung ist finanziell geregelt. Und sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das lokale (Entsorgungs-) Gewerbe von einer Grossveranstaltung mitprofitieren kann.

Pilotprojekt beim Zapfenstreich

Littering ist und war vermutlich schon immer eine unliebsame Begleiterscheinung einer Veranstaltung. Ob sich das Problem in den letzten Jahren verschärft hat, lässt sich nicht so einfach beantworten. Brigitte Albisser relativiert: Bei einem bezüglich Location überschaubaren Raum sei die Abfallregelung einfacher zu handhaben als bei einer offenen Veranstaltung. Zudem könne Littering nicht generell nur dem Publikum in die Schuhe geschoben w erden, ein Markt etwa würde quantitativ oft mehr Abfall von Seiten der Aussteller verursachen als von Seiten der Marktgäste. Auch in diesem Punkt ist auf der Suche nach Besserung Kreativität der richtige Ansatz. So werden beim Zapfenstreich dieses Jahr erstmals Mehrwegbecher eingesetzt. Sie kosten etwas, können aber zurückgegeben werden, wenn auch nicht zum Kaufpreis. Ein Pilotprojekt der Stadt, in Zusammenarbeit mit dem Gastronomiegewerbe.

Kulinarik und Krempel
Innovative Wege peilt auch der Verein Piazza (pro innovative Aktivitäten zur Zofinger Altstadt) an. Synergien gewinnen, lautet die Piazza- Strategie, die vom Stadtmarketing mitgetragen wird. Konkret: «Das Zusammenlegen von kleineren Anlässen zu einem Anlass, der dadurch an Bedeutung und somit an Anziehungskraft gewinnen würde. Piazza-Vorstandsmitglied Daniel Eugster nennt als Beispiel den Flohmarkt, kurz «Flohmi» im September. Er soll gleichzeitig mit einem Food Truck Happening stattfinden. Krempel und Kulinarik unter einem Open-air-Dach quasi. Solche Bündelungen würden Mehrwert für alle schaffen, Anbieter, Publikum und Einwohner. Daniel Eugster: Ein an Bedeutung gesteigertes Angebot an weniger Tagen bringt den Veranstaltern mehr Frequenz und entlastet gleichzeitig die Altstadt von Emissionen jeglicher Art. Bleibt die Frage, wie viele Veranstaltungen pro Jahr einer Stadt wie Zofingen zugemutet werden können. Brigitte Albisser: «Bei der Planung achten wir auf die Qualität der Veranstaltung und auf einen guten Mix, eine möglichst breite Bevölkerungsschicht soll über das ganze Jahr verteilt als Zielpublikum profitieren können.» In den Wintermonaten Januar bis März gäbe es noch freie Slots.

Magazin | Zofingen

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