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Und weiter geht die Hitzewelle....

Zum Glück müssen wir nicht hecheln

Hundezunge

 | Bild: fotocommunity.de

Schwitzen ist vielleicht nicht sexy, aber dringend nötig. Denn nur so können wir unseren Körper kühlen.

21.06.2017 11:25, schwe, 0 Kommentare

Es ist bestimmt kein Vorteil, wenn wir in diesen Hitzetagen zum Bewerbungsgespräch mit Schweissflecken unter den Achseln erscheinen. Aber immerhin bewirkt das Schwitzen, dass wir einen kühlen Kopf behalten. Und sowieso hat schwitzen zu Unrecht einen schlechten Ruf.

Wenn die Aussentemperatur steigt, muss sich der Körper kühlen, denn wenn innen die Temperatur über 42 Grad steigt, beginnen unsere Eiweisse zu gerinnen. Das ist tödlich. Der Körper nutzt daher eine chemische Reaktion, um sich zu kühlen: Flüssigkeit, die verdunstet, entzieht der Umgebung Energie, das heisst Wärme. Also leitet der Körper Wasser via Blut und Schweissdrüsen auf die Hautoberfläche.

Neben Menschen können das sonst nur die Affen, Pferde, Kamele, Raubkatzen und Bären. Alle anderen Tiere haben keine Schweissdrüsen oder nur an den Pfoten wie Hunde und Katzen. Vor allem aber hecheln Hunde. Bei Hitze müssen sie zehnmal schneller atmen, damit die Feuchtigkeit via Zunge verdunstet und die Zunge den ganzen Hund kühlt. Hauskatzen hecheln bei grosser Hitzen ebenfalls, sie lecken sich aber auch ab – damit wie mit Schweiss Flüssigkeit auf dem Körper verdunstet. Auch Mäuse lecken bei Hitze ihr Fell. Kaninchen haben wenigstens ums Maul herum noch Schweissdrüsen. Vor allem aber geben sie die Wärme ab, indem sie mehr Blut in die Löffel pumpen. Mit dem gleichen Effekt durchbluten Kühe und Ziegen ihre Hufe.

Auch Vögel können nicht aktiv schwitzen, aber über die nackten Hautstellen verlieren sie Wärme und können dies beschleunigen, wenn sie mit den Flügeln schlagen. Störche bescheissen sich im wahrsten Sinne des Wortes: Sie benutzen statt Speichel wie die Katzen ihren Kot und beschmutzen sich. Dies vor allem an den nackten Beinen. Da der Kot zudem weiss ist, heizt sich die Beinhaut danach weniger schnell auf. Mit Schlamm kühlen sich Schweine und Elefanten. Der Dreck schützt die Haut zudem vor Sonnenbrand.

Schweiss schützt uns
Sich ablecken oder einsudeln – da ist schwitzen doch das Angenehmere. Schweiss besteht zu 99 Prozent aus reinem Wasser und ist geruchlos, wenn er aus den Poren tritt. Daneben finden sich im Schweiss unter anderem Fettsäuren, Harnstoffe, Salze und Aminosäuren. Diese bewirken zwar, dass der Schweiss zu riechen beginnt, doch sie schützen uns auch: Bestimmte Stoffe des Drüsensekretes bekämpfen schädliche Keime auf der Haut und neutralisieren deren Giftstoffe. Ausserdem schafft der Schweiss ein saures Milieu auf der Haut, welches das Leben von Mikroben erschwert. Und: Wir kommunizieren mit dem Schweiss via der Duftstoffe mit potenziellen Sexualpartnern. Leider riechen die anderen so auch unbewusst, wenn wir Angst haben.

Zudem haben Forscher herausgefunden, dass Schweissdrüsen auch Stammzellen produzieren und so helfen, eine Wunde schneller zu heilen.

All diese Arbeit verdanken wir zwei bis vier Millionen Schweissdrüsen. Auch wenn es nicht speziell heiss ist, produzieren diese täglich zwischen einem halben und einem Liter Schweiss. Am meisten an den Füssen: Da befinden sich auf jedem Quadratzentimeter rund 500 Drüsen. Ähnlich viele haben wir in den Achselhöhlen. Am Rücken sind es nur noch rund 50 Schweissdrüsen auf der gleichen Fläche.

An Hitze gewöhnen
Der Mensch kann Hitzetage, wie sie uns nun bevorstehen, deshalb recht effizient und nicht-hechelnd überstehen. Im Extremfall bei Sport in der Hitze werden bis zu vier Liter Schweiss pro Stunde produziert, die natürlich ersetzt werden müssen. In anderen Worten: viel trinken. Am besten lauwarmes Wasser, damit der Körper keine Energie produzieren muss, um die Flüssigkeit zu wärmen. Auch duschen tut man am besten lauwarm, damit sich nicht zuerst die Hautzellen verengen und so weniger Hitze abgeben können.

Wenn die Hitze den ganzen Sommer über anhalten sollte, werden wir uns daran gewöhnen: Der Körper beginnt früher zu schwitzen, sodass uns gar nicht erst zu heiss wird, und die Zusammensetzung des Schweisses verändert sich: Er enthält viel weniger Salz, sodass nicht zu viele dieser wichtigen Mineralien dem Körper entzogen werden.

Auch der Fachmann, Severin Läuchli, Leiter Dermatochirurgie am Unispital Zürich, sagt: «Schwitzen ist eine gesunde Reaktion.» Nur ein Prozent der Bevölkerung schwitzt bei kleinster Anstrengung oder Aufregung stärker als nötig, sodass sie sich medizinisch behandeln lassen. «Generell sollte man das Schwitzen lieber geniessen», findet Läuchli, «das ist im Körper mit Vernunft so eingerichtet worden.» Personalchefs sollten wissen: Kandidaten, die beim Bewerbungsgespräch besonders stark schwitzen und denen das Hemd auf der Haut klebt, haben nicht unbedingt mehr Angst als andere. Starkes Schwitzen im Sommer ist auch ein Zeichen für körperliche Fitness und einen gut funktionierenden Stoffwechsel.

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