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Recycling für fortgeschrittene Alkoholiker

Dosen leer, Lampe voll

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Entsorgen wäre einfacher gewesen. Dann wären die leeren Dosen recycelt und als neue Dosen reinkarniert worden. Jetzt bleiben sie für immer eine Lampe.

24.03.2011 10:34, schwe, 0 Kommentare

Hie und da sollte ein Mann handwerken, auch wenn er keine Ahnung davon hat. Warum? Weil eine handwerkliche Aufgabe einem deutlich die eigenen Grenzen vor Augen führt und zum Denken anregt. Und Denken, obschon recht ausser Mode geraten, hat doch Style, nicht wahr? In meinem Fall scheint die Vorgabe recht klar und einfach, ich will nichts weiter, als die leeren Budvar-Dosen, die sich angesammelt hatten, zu einer Lampe verarbeiten. Zu einer Lampe mit Style, zu einem Unikat, Sie verstehen.

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Da mir der Zufall ein leeres Weinkistchen aus Holz in die Hände spielt, in dessen Flaschenhals-Halterung perfekt eine Glühlampenfassung passt, die mir aus einer letzten handwerklichen Übung übrig geblieben war, scheint mein Vorhaben irgendwie realistisch. Ich brauche «nur» die Dosen mit Hilfe eines Dosenöffners von Boden und Deckel zu befreien, zurechtzuschneiden und die Weinkiste damit einzukleiden. Das Zurechtschneiden der Dosen kann man problemlos mit einer Papierschere oder einem Japanmesser vornehmen, das Blech ist weich und lässt sich super schneiden. Das Blech schneidet, sobald man es geschnitten hat, auch mühelos ins Fleisch der eigenen beiden Hände.

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Nach dem Zurechtschneiden des Blechs fängt die eigentliche Arbeit erst an: Gut ein Dutzend Blechstücke wollen ans Holzkistli angepasst und draufgeklebt werden. Das ist nicht so einfach, wie man meinen könnte, denn dazu braucht es Zweikomponentenleim, der ebenso stark stinkt wie klebt, und das nicht nur da, wo man es gern hätte, sondern auch an Kleidern und Fingern.

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Trotz des Leims sind zusätzlich Schraubzwingen nötig, um die Blechteile in die Form zu zwingen. Jedem einzelnen Bleckstück muss Gewalt angetan werden, denn es will nicht über Kanten gezogen und in Ecken gepresst werden. Und das braucht Zeit. Mehr Zeit, als man eigentlich beabsichtigt hat. Ganze drei Tage dauert es, bis die Holzkiste sich in eine Blechkiste verwandelt hat und ich endlich den Vorhang aus den schönen roten Dosen-Verschlüssen zusammenfingern kann. 

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Zu diesem Zeitpunkt bin ich mir bereits nicht mehr ganz sicher, ob das Ding am Schluss als Lampe zu gebrauchen sein wird. Vielleicht wäre es von Vorteil gewesen, ich hätte Löcher in die Rückwand der Kiste gebohrt, um eine einigermassen vernünftige Lichtstreuung zu erreichen. Dazu ist es leider bereits zu spät. Der Testlauf spät in der Nacht des dritten Arbeitstages bringt die Wahrheit schonungslos ans Licht, bzw. lässt die Wahrheit im Dunkeln erahnen: was ich fabriziert habe, ist definitiv keine Lampe. Es ist eher ein Budvar-Schrein, der ein ewiges Licht beherbergt. Oder so ähnlich. Es sieht jedenfalls sehr mystisch aus und erleuchtet den Raum immerhin so stark, dass man den Volumenknopf der Stereoanlage und die Türfalle finden kann. Also mir reicht das völlig und wenn ich mir’s recht überlege, wollte ich ja eigentlich gar keine Lampe bauen, wozu auch?

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