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Gegentrend zu Globalisierung

Das Woodstock der Jodelfreunde

Jodler

 | Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler

Am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig werden 150 000 Besucher erwartet. Für Tradition und Brauchtum interessieren sich heute nicht mehr nur konservative Kreise.

17.06.2017 15:39, Stefan Künzli/AZ, 0 Kommentare

Das Eidgenössische Jodlerfest ist ein Festival der Superlative. Über 12 000 Aktive aus den Sparten Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen haben sich für die 30. Ausgabe vom 22. bis 25. Juni in Brig angemeldet und rund 150 000 Besucher werden in der Walliser Gemeinde erwartet. Das wären gleich viel wie schon in Interlaken 2011 und Davos 2014. Das Woodstock der Jodelfreunde gehört damit zusammen mit dem Paleo Festival in Nyon (230 000 Besucher in sechs Tagen), dem Montreux Jazz Festival (über 200 000 in 15 Tagen) und dem Open Air Frauenfeld (rund 150 000 in drei Tagen) zu den grössten Veranstaltungen des diesjährigen Festivalsommers.

«Das Jodeln in der Schweiz erfreut sich einer anhaltend grossen und sogar steigenden Beliebtheit», sagt Karin Niederberger, die Präsidentin des Jodlerverbandes. Das war nicht immer so. Vor rund 50 Jahren, mit der Hippie-Jugend und der 68er-Bewegung, entstand ein ideologischer Graben. Jodeln galt vor allem bei den Jugendlichen als verstaubt und hoffnungslos rückständig. Umgekehrt wurde die Schweizer Volksmusik von konservativen Kreisen vereinnahmt.

Die erste und oberste Aufgabe des 1910 gegründeten Eidgenössischen Jodlerverbandes ist die Pflege und Erhalt des Jodelgesangs. Seine Rolle ist und bleibt bewahrend. Er präsentiert sich heute aber offen für Neuerungen, ist weitgehend entpolitisiert und ideologiefrei. Bewusst wird versucht, den Publikumskreis zu vergrössern.

Gegentrend zu Globalisierung
Auch Linke besinnen sich auf das Regionale, auf die Tradition und das Brauchtum. Das kann als Gegentrend zur Globalisierung gesehen werden. Die Fronten zwischen Traditionalisten und Erneuerern haben sich aufgeweicht, Vorurteile werden abgebaut. Das ist der Hauptgrund für die anhaltende Popularität des Jodels. Er wird heute als klingendes Abbild der Schweiz wahrgenommen und ist in allen Gesellschaftsschichten, Politkreisen und Regionen gleichermassen anerkannt und respektiert.

In den Jodel-Hochburgen der Innerschweiz (Entlebuch und Muotatal), in beiden Appenzell, dem Toggenburg und dem Berner Oberland ist der Jodelgesang gelebte Tradition. Eine orale Kultur, die von Familie zu Familie, von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Jungen werden wie selbstverständlich in die Kunst des Jodelns eingeführt. Nachwuchsprobleme kennen die Jodlerklubs hier nicht.

Abseits der Hochburgen, im Mittelland und den urbanen Zentren ist die Situation schwieriger. «Die Jodlerklubs sind teilweise überaltert. Wir kämpfen um jedes Mitglied und aktive junge Jodler gibt es nur wenige», sagt Silvia Meister, die Präsidentin des Jodlerverbands Nordwestschweiz (Solothurn, Aargau und beide Basel) und aktive Jodlerin des Jodlerklubs Passwang Mümliswil. «Junge wollen sich nicht einbinden», sagt sie und sieht darin eine allgemeingültige gesellschaftliche Entwicklung, unter der alle Vereine im Mittelland leiden. Manche Jodelklubs sind denn auch in ihrer Existenz bedroht oder finden keinen Dirigenten. Trotzdem bleibt Meister optimistisch. «Wir helfen uns gegenseitig, und irgendwie geht es dann immer weiter. In meiner Amtszeit soll kein Klub das Vereinsleben aufgeben.», sagt sie.

Hoffen auf Basel
Dabei erlebt der Jodel gerade auch in Städten einen kleinen Aufschwung. Vor allem die urchigen, urtümlichen Jutze haben es Städtern angetan. Die Jodlerin Nadia Räss gibt in Zürich Jodelkurse, die regelmässig ausgebucht sind. Doch von diesem urbanen Trend zum Volkstümlichen haben die Jodelklubs bisher nicht profitieren können. Der Jodel ist hier Privathobby und hat keinen Vereinscharakter.

Hoffnung macht Silvia Meister, dass sich viele Junge für Schweizer Traditionen interessieren und sich damit identifizieren können. «Die Jungen haben ein wachsendes Bewusstsein für Brauchtum und Tradition und gehen so selbstverständlich an das Jodlerfest wie an ein Open Air», sagt sie, «viele tragen dabei Edelweiss-Hemden oder tragen eine Tracht.»

Der Nordwestschweizer Verband unter Initiantin Silvia Meister will den Aufwind nutzen und in den nächsten Jahren mächtig Gas geben: In zwei Jahren findet in Mümliswil das Nordwestschweizerische Jodlerfest statt und 2020 am Rhein sogar das Eidgenössische. Basel wird für vier Tage zur Hauptstadt des Jodels. Meister ist überzeugt, dass dort auch viele Junge Feuer fangen werden und sich für das Jodeln begeistern lassen. Vielleicht sogar aktiv in einem Jodelverein.

Eidg. Jodlerfest in Brig 22. bis 25. Juni.

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