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Zofiscope 74

Mitmachaktion und künstlerische Selbstreflexion

Skulpturen GMS

Die Skulptur auf dem Spielplatz des Gemeindeschulhauses
hat eine Gruppe unter der Anleitung
von Steinmetz Edy Scheidegger erarbeitet. MIF  | Bild: Michael Flückiger

Das Kunsthaus Zofingen spürt dem Zeitgeist eines einzigartigen Gesellschaftsexperiments nach.

27.04.2017 09:20, schwe, 2 Kommentare

erne klettern Kinder auf der siebenteiligen Skulptur auf dem Spielplatz des Gemeindeschulhauses direkt gegenüber dem Kunsthaus Zofingen herum. Die Gesteinsgruppe, die im Abendlicht eine wundersame Präsenz entwickelt, ist die einzige noch sichtbare Reminiszenz an Zofiscope. Weit eher Spuren dürfte das Ereignis im Bewusstsein der Zofinger hinterlassen haben. Denn Zofiscope – eine Wortschöpfung aus Ortsnamen und Kaleidoskop – war 1974 schweizweit einzigartig. Über 1000 Laien haben in 32 Arbeitsgruppen während Monaten künstlerische Projekte in den Sparten Theater, Musik, Film und Bildender Kunst erarbeitet. Im Juni haben sie sie dann verschiedenenorts öffentlich gezeigt. Für viele Menschen der Region gehört Zofiscope damit zur persönlichen Biografie. Andere erinnern sich zumindest noch ans selten farbenprächtige und rauschende Städtlifest zum Abschluss.

Arbeit an der Gesellschaft
Zofiscope bot eine überbordende Vielfalt von Konzerten, Theateraufführungen, Ausstellungen, Aktionen und Foren. Teil des Ganzen zu sein hatte Vorrang gegenüber jeglicher Didaktik der Vermittlung. Die Menschen der Region sollten sich unter der Anleitung von profilierten Künstlern selbst zum Ausdruck bringen. Das trotz aller seriö- sen Vorbereitung ungeschliffen Laienhafte war Programm. Hier ging es nicht um die Ideale des Kunstschönen, sondern um die Arbeit an der Gesellschaft. Zofiscope wollte spielerisch und mithilfe von künstlerischen Ausdrucksformen ein neues gesellschaftliches Bewusstsein schaffen. Blick durch die Kunstbrille Das Kunsthaus Zofingen lässt Zofiscope nun noch einmal aufleben. Als Mittler dient die Kunst selbst. «Es war für uns ein Geschenk, dass wir Werke von damals prägenden Künstlern und Animatoren zur Verfügung gestellt bekommen haben», sagt Claudia Waldner, die Kuratorin des Kunsthauses. «Mit neueren Werken schlagen wir dann aber auch die Brücke zur Gegenwart und zeigen auf, wie sich der damalige Geist in deren späteren Schaffen fortgesetzt hat.» Die historische Spurensuche geht ob der Kunst nicht vergessen. Bilder, Filme und Tondokumente lassen einen in eine Zeit eintauchen, die der künstlerischen Avantgarde noch eine gesellschaftspolitische Bedeutung beimass, die sie heute weitgehend verloren hat. Die Dokumentation hat auch Lücken: Damalige Beteiligte sind dazu aufgefordert, sie mit Erinnerungen oder auch Materialien zu füllen.

Passagen des Übergangs
Zentraler Ort der Ausstellung mit mehreren Aussenstationen ist das Kunsthaus. Gillian Whites Anfang der 90er-Jahre fürs Kunsthaus geschaffene Skulptur, die mit grossen Metallsockeln durch die Panoramafensterscheiben hindurch den Innen- in den Aussenraum fortsetzt, setzt Anker. Die Künstlerin war zusammen mit ihrem Mann, dem Bildhauer Albert Siegenthaler, eine prägende Figur von Zofiscope. Dessen Holzskulptur «Der Tag» von 1982, die am Rand der Schützenwiese in aufrecht stehenden Holzlatten die menschliche Figur ausspart, schafft wie ihre Metallfüsse einen Moment des Übergangs. Eine grosse zentrierte Kraft strahlen der Buchbaumring und ein Mosaik aus Kohlenstücklein von Hansruedi Steiner aus. Still leuchten im Erdgeschoss wie auch im Treppenhaus Werke des Künstlers Willy Müller-Brittnau aus den Jahren 72 bis 74. Der Mann, der mit seiner Farbfeldmalerei und Signalkunst anfangs der 70er-Jahre über die Grenzen der Schweiz hinaus Bedeutung erlangte, führte im Rahmen von Zofiscope mit der Zürcher Gruppe F+F Kreativkurse für zahlreiche Zofinger durch. Nicht mit von der Partei war der damals 18-jährige Vordemwalder Künstler Samuel Peyer. Doch bildete Zofiscope für ihn die unbeschwerte Lust am kreativen Schaffen eine Initialzündung für seine eigene Künstlerbiografie, die sich in einer Baumeisenplastik auf der Schützenwiese und dem Collagesetzkasten «Kaleidoskop» manifestiert. Im Erd- wie auch Obergeschoss sind mehrere Stationen mit historischen Radio- und Fernsehbeiträgen zu Zofiscope zu sehen. Zugleich gibt es auch neuere Interviews zu sehen und zu hören, so etwa eines mit dem Komponisten Werner Bärtschi, der damals mit Zofingern musizierte.

Klänge aus anderen Sphären
Im Obergeschoss ist der grosse Saal fast ausschliesslich dem Schaffen von Thomas Peter (1938–1986) gewidmet. Wie kaum ein anderer hat sich der Plastiker in das Projekt Zofiscope hineingekniet und noch nie dagewesene Instrumente gebaut, die er mit anderen zusammen konzertant hat erklingen lassen. Die mit Hebeln dynamisch spannbaren Saiteninstrumente sind Klangwundertüten. Das Publikum ist heute wie damals auch dazu aufgefordert, den humorigen Unikaten Laute zu entlocken. Der früh verstorbene Künstler hat das Kaputtgehen durch steten Gebrauch bewusst mit einkalkuliert. Die Werke von Thomas Peter könnten symptomatisch für den Erlebnischarakter und die Voräufigkeit des Unternehmens Zofiscope stehen. Transformationsprozesse zu durchlaufen war den Beteiligten wichtiger, als bleibende Werkgruppen zu hinterlassen. Was zur Folge hat, dass von Zofiscope wenig konkret Fassbares erhalten geblieben ist. Die siebenteilige Skulpturengruppe auf dem Spielplatz des Gemeindeschulhauses bildet eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigt. Umso mehr sind Rückmeldungen und Erinnerungen von damals gefragt.

Zofiscope

Das Kollektiv einer Künstler-WG bekam
nach der Scheren-Aktion Ärger mit den
Behörden.  | Bild: zVg

 

Wie es entstand

Initiant von Zofiscope war Heiny Widmer, der umtriebige Präsident des Kunstvereins Zofingen und nachmalige künstlerische Leiter des Kunstmuseum Aarau. Die Stiftung Pro Argovia, die Stadt Zofingen sowie Private trugen insgesamt 140000 Franken zum Gelingen des Projekts bei. Als künstlerischer Leiter von Zofiscope firmierte der Theatermacher Peter Schweiger aus Zürich. Ihm zur Seite standen im OK der Maler Willy Müller-Brittnau, der Komponist Werner Bärtschy und Stadtrat Hans Wyler, der die Federführung des Kunstvereins von Heiny Widmer übernahm. Rückhalt bot auch der Zofinger Kunsthändler Richard Haller. Das OK konnte viele junge Leute gewinnen, doch liessen sich die meisten Vereine der Stadt Zofingen nicht zur Mitwirkung ermuntern. Die Beteiligung am Kunstprojekt war eher eine individuelle Angelegenheit. Ab Anfang 1974 bildete das «Amsthüsli» beim Stadteingang die Schaltzentrale von Zofiscope. Hier ging man ein und aus, diskutierte, entwarf und übte mit grossem Fleiss.

Spurensuche an Originalschauplätzen
Die Ausstellung «Zofiscope 74 – eine Idee, ein Rückblick» startet diesen Samstag mit der Vernissage im Beisein von zahlreichen damals Beteiligten. Sie werden am 10. Mai am Forum eingehend diskutieren. Ein Highlight der Ausstellung ist der Auftritt von Bruno Spoerri, der soeben den prestigeträchtigen Swiss Jazz Award gewann. Der Musikpionier wird zusammen mit Perkussionist Gabriel Schiltknecht am 21. Mai ein Konzert mit selbst gebastelten Synthesizern aus den 70er-Jahren spielen. Walter Siegrist vom Museum Zofingen bietet an mehreren Sonntagen im April, Mai und Juni historische Stadtrundgänge zu 1974 und Zofiscope an. An Örtlichkeiten wie der Kleinen Bühne, dem Rathaus, dem Amtshaus Ost, der Taufkapelle oder Schützenstube sind historische Fotografien von Bernhard Suter zu sehen, die das damalige Geschehen dokumentieren.

Samstag, 29. April, 17 Uhr: Vernissage. Öffnungszeiten Kunsthaus: Donnerstag, 18 bis 21 Uhr; Samstag/Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 18. Juni. Detaillierte Informationen: www.kunsthauszofingen.ch

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Kommentare (2)

fliegendruck | am 02.05.2017 um 22:37 Uhr
danke, das mit diesem 'Amtshüüsli' hat nun also eine Richtigkeit erhalten, weiter so.

christian fliegendruck | am 29.04.2017 um 22:39 Uhr
'Ab Anfang 1974 bildete das «Amsthüsli» beim Stadteingang die Schaltzentrale von Zofiscope.'
heute grad sind wir im Amtshüüsli, Südportal dieser lustigen Stadt.
Zwi Üok, doch bitte nicht: «Amsthüsli» (führt direkt ins Amslergut..)


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