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Das Motto im Hause Bachmann: Was es nicht gibt, wird selber gebaut

Mister Roboto

Roger Bachmann

 | Bild: Adi Gaberthuel

Der Zofinger Roger A. Bachmann formte aus einem «Luftschloss» eine marktführende Hightech-Firma im Bereich Robotik. Um den Kundenansturm zu bewältigen, erweitert er aktuell seinen Personalbestand.

12.04.2017 09:56, Adrian Gaberthuel, 1 Kommentare

Das Gebäude an der Henzmannstrasse 8 ist eher unscheinbar. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine High-Tech-Firma ihren Sitz hat, welche unter anderem die von der Frankenstärke geplagte Schweizer Maschinen-Industrie wieder auf Vordermann bringt. Und dies mit grossem Erfolg. Bachmann Engineering ist Spezialist für schlüsselfertige Roboter- Zellen und Automationsanlagen nach Mass. Im Vordergrund stehen mitunter sogenannte kollaborative Roboter-Systeme, die auf verschiedene Art und Weise – je nach Sicherheitsdispositiv – mit einem Menschen zusammenarbeiten können. Dies ermöglicht es dem Kunden, mit moderaten Kosten die Auslastung zu erhöhen, indem er zusätzliche Arbeitsschichten mit Robotern betreibt. Kein Wunder, füllen sich die Auftragsbücher seit 2015, als der Mindestkurs von der Schweizer Nationalbank aufgehoben wurde, exponentiell. Die Stückzahl verkaufter Bachmann-Roboter verdoppelte sich von 2015 auf 2016. Und im ersten Quartal 2017 lag die Bestellmenge bereits bei einem Drittel der Verkäufe 2016. Zahlen, die Firmeninhaber Roger A. Bachmann zum Handeln zwingen: «Wir sind gerade daran, unsere Ressourcen mittelfristig um 20% zu erhöhen», so der 47jährige Zofinger. Die Anzahl Mitarbeiter steigt auf über 20 Personen. Von einer solch rasanten Entwicklung hätte er bei seinem Einstieg ins Unternehmertum 1999 nicht zu träumen gewagt. Dennoch war es ein Traum, der am Anfang seiner beruflichen Karriere stand. «Ich wollte unbedingt einmal einen echten Industrieroboter sehen», erinnert sich Roger A. Bachmann zurück. Dem vorangegangen waren aktive Jugendjahre, geprägt von Handwerk und Technik. Sein Vater war Metallbauer und verbrachte sehr viel Zeit mit ihm. «Er unterstützte mich wo immer möglich, damit ich meine verrückten Ideen umsetzen konnte», so Bachmann. Was es nicht gibt, wird einfach selber gebaut, so das Credo im Hause Bachmann. Als Playmobil nur einen Strassenarbeiter und einen Polizist mit Dienstfahrzeug, aber keinen Helikopter im Angebot hatte, wurde kurzerhand ein solcher konstruiert. «Mit Rotor und Elektromotor selbstverständlich», ergänzt Bachmann. Schon bald folgte ein Go- Kart, mit Dachkonstruktion und eingebauter Stereo-Anlage. Kein Wunder, lockte ihn später Müller Martini in die Lehre als Maschinenmechaniker mit Automation. Nach erfolgreichem Lehrabschluss jobbte er während zwei Jahren als Schweisser, um sich das nötige Geld für eine Weltreise zu verdienen, von welcher er dann mit vielen, neuen Eindrücken zurückkehrte. Und da war er dann – der Traum, endlich einmal einen echten Roboter zu sehen.

Um diesem Ziel näher zu kommen, meldete sich Bachmann kurzerhand für die Technikerschule Burgdorf an. «Das war effektiv der Grund, wieso ich damals diese Weiterbildung absolvierte», so Bachmann. Angestellt war er in seinem Leben nur gerade zweimal. In der Lehre und nach der Weiterbildung, als er kurze Zeit für eine regionale, international tätige Firma arbeitete. «Ich spürte rasch, dass ich lieber unternehmerisch selbständig unterwegs bin». Und bereits hatte sich der nächste Traum in seinem Kopf festgesetzt: Schlüsselfertige Roboter zu bauen, das war nun sein grosses Ziel, das er rückblickend als «absolutes Luftschloss» beschreibt. Sein «Businessplan » bestand aus drei A4-Blättern, betitelt mit: Engineering, Montage und Service. Nur: Eine solche Roboter-Anlage kostete anno 1999 mindestens 150‘000 Franken. So war die berechtigte Frage, welche Firma einem «Grünschnabel» wie ihm einen solchen Auftrag übertragen würde. Der Zufall wollte es, dass Bachmann damals von einem Onkel eine bestehende Aktiengesellschaft mit dem passenden Namen «Bachmann Engineering AG» übernehmen konnte. Dazu kaufte er sich ein Occasions-CAD-System und startete mit kleineren Engineering-Aufträgen. Und nach zwei Jahren war er da – der erste Auftrag für eine Roboter-Anlage, aus Deutschland notabene. Der Kunde vertraute dem Label «Swiss Madev und einer AG, die ja bereits seit 1977 existierte. Zudem fand er den Preis ganz gut – Bachmann bekam den Zuschlag.

So konstruierte, montierte und programmierte der Firmengründer seinen ersten Roboter. Ein extrem schwieriger Prozess, wie sich schon bald herausstellte. Doch bevor er die erste Anlage fertiggestellt hatte, bestellte der Kunde gleich zwei weitere. Nun, dachte sich der Jungunternehmer: Was die Deutschen brauchen, werden auch die Schweizer nicht missen wollen. Kurzerhand präsentierte er sein System einem Mitbewerber in der Schweiz, erhöhte den Preis – und drei Monate später war die nächste Bestellung im Haus. Zehn Jahre später hatte dieser Kunde bereits eine ganze Produktionshalle voll mit Bachmann-Robotern. Inzwischen gehört die Bachmann Engineering AG zu den Top 5 in der Schweiz. Gar Marktführer ist sie im Bereich Teilevereinzelung und -zuführung mit Knickarm- Roboter sowie bei den kollaborativen Robotersystemen. Letzteren wird ein enormes Wachstum prophezeit. Vom Robotik-Umsatz in Westeuropa im 2015 von gesamthaft 1 Milliarde Franken lag der Anteil der kollaborativen Systeme bei 10%. 2020 erwartet die Branche einen Gesamtumsatz von 4 Milliarden Franken, davon alleine 1 Milliarde im Bereich der kollaborativen Roboter. Zahlen, welche automatisch für mehr Konkurrenz sorgen. «Natürlich bauen vermehrt auch klassische Sondermaschinenbauer Robotik», ist Bachmann überzeugt. Daher seien klare Alleinstellungsmerkmale, sogenannte USPs, für eine Firma wie Bachmann Engineering überlebenswichtig. Und diese liegen für ihn auf der Hand: Nebst dem eigenen Prozessleitsystem bietet Bachmann Anlagen beispielsweise für die CNC-Beschickung mittels einem Baukastensystem, das nur gerade einen halben Quadratmeter Platz benötigt. «Zudem verfolgen wir ein Mehrmaschinen-Konzept. So kann der Kunde unseren Roboter an verschiedene Maschinen stellen und ihn selbständig programmieren ». Das modulare Baukastensystem erlaube es dem Käufer zudem, seine Anlage individuell nach Bedürfnissen zusammenzustellen. «Er muss nur in so viel Technik investieren, wie er zur Zeit gerade nutzen kann», sieht Bachmann den wirtschaftlichen Vorteil seiner Produkte.

Und laufend gelangen neue Kundenwünsche an die Bachmann Engineering AG heran. Aktuelles Thema: die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. «Der Aufwand, einem System etwas beizubringen, ist sehr gross. Daher ist aktuell die kollaborative Welt so im Aufschwung », weiss Bachmann. Trotz den rosigen Aussichten ist auch für den Firmeninhaber klar: «Wir müssen uns laufend neu erfinden, sonst bleiben wir stehen». So steht bereits wieder ein neues Produkt zur Lancierung bereit. Damit die Firma am Ball bleibt, arbeitet sie unter anderem eng mit der ETH Zürich zusammen, wo sie verschiedene Labors ausgerüstet hat. Was Bachmann besonders schätzt: «ETH-Studenten haben immer wieder verrückte Ideen, welche auch meine Mitarbeiter stetig neu herausfordern». So kommt es immer wieder mal vor, dass Industriepartner ETH-Teilprojekte umgesetzt haben möchten. Dabei ist Bachmann Engineering jeweils das Bindeglied.

Wie aber geht Roger A. Bachmann mit dem Vorwurf um, seine Roboter würden Arbeitsplätze vernichten? Er spricht da eher von Arbeitsplatz- Neuorientierung. «Viele meiner Geräte haben nach dem Frankenschock dazu beigetragen, den Fortbestand einer Firma zu sichern, ist Bachmann überzeugt. Hier wurden Arbeitsplätze erhalten. Durch die Investition in Roboter – als Ergänzung zum bestehenden Personal – konnte der vorhandene Maschinenparkt besser ausgenützt werden (Mehrschichtbetrieb). Und dies zu moderaten Kosten. Erst dadurch seien Schweizer Maschinenbauer wieder konkurrenzfähiger. Zudem sieht er einen weiteren Vorteil von Robotern für den Arbeitsmarkt. «Automatisiert wird in erster Linie sehr monotone, gesundheitsschädigende Arbeit. Diese führt zu extremen Belastungen auf gewisse Gelenke», gibt Bachmann zu Bedenken. Dies hat heute zur Folge, dass sogar geschützte Werkstätten vereinzelt Roboter einsetzen, welche die Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen. Letztere konnten sich ja nur schwer dagegen wehren, solche Arbeiten zu machen. «Was in Zukunft wohl verstärkt diskutiert werden wird, ist eine Kopf-Steuer für Roboter», ist Bachmann überzeugt. Eine Idee, gegen die sich Roboter selber (noch) nicht wehren können…

www.bachmann-ag.com

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Kommentare (1)

Cassiopaya | am 12.04.2017 um 15:07 Uhr
Exponentiell? Rechnen sollte man können... in einem Jahr verdoppeln und dann vier Drittel vom zweiten Jahr ist noch lange nicht exponentiell, es ist noch nicht mal linear...!


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