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Fähnlifrässer

Mann wählt den Wasserhahn aus

Porter Alpnach

 | Bild: Daniel Küng

Letzten Freitag waren meine Frau und ich in der Ausstellung von Alpnach Küchen in Strengelbach. Mit unserem fröhlichen Küchenbauer Renato sollten wir eine Küche aussuchen. Er hatte uns bereits vorgewarnt: Das kann dauern! Und Ärger geben.

11.11.2012 14:23, schwe, 0 Kommentare

Um halb zehn treffen wir uns in der Alpnach-Ausstellung. Im Groben hatten wir ja bereits festgelegt, wie die neue Küche aussehen und welche Geräte eingebaut werden sollten. Nun geht es darum, konkret zu werden.
Zuerst die Hauptfrage: welche Fronten? Einer wie aus dem Nichts auftauchenden inneren Stimme folgend verschweige ich meine Idee (die darin bestanden hätte, jedes Türchen und jede Schublade in einer anderen Farbe zu wählen, sodass die Küche wie ein wildes, 20-farbiges Mosaik ausgesehen hätte). Renato macht einen Vorschlag, wie man vorgehen könnte bei der Auswahl. Irgendetwas mit «vor die Wand mit den Mustern stehen und sehen, was intuitiv wirkt» oder so. So weit kommt es allerdings nicht. Meine Frau steuert bereits eine der Musterküchen an, ich höre noch das Wort «Marmorweiss» aus Renatos Mund, bevor meine Frau zu mir gewandt «Überleg mal: Süden, zwei Fenster und eine Türe, Hitze vom Kochen und wir mit unserem hitzigen Temperament, deshalb: einfach weiss. Und glänzend, damit man deine fettigen Fingerabdrücke, die du beim Kochen überall hinterlässt, nicht so gut sieht» sagt. Weiss find ich gut, das mit den Fingerabdrücken stimmt.
Nun die Arbeitsplatte. Dutzende von Marmormustern, Farben, Maserungen. Ich überlege, ob ich nach draussen eine rauchen gehen soll. Renato nimmt noch einen Anlauf und schickt das Stichwort «Kontrast» ins Rennen. Das hiesse: weisse Küche, dunkle Arbeitsplatte. Niet, meint die Regierung. Das Aussenministerium (also ich), ist derselben Meinung: Lieber Harmonie als Kontrast. Deshalb: hellgrauer Stein mit natürlicher Maserung. Und hinter dem Herd blaues Glas.
Welche Griffe? Jetzt muss ich wirklich eine rauchen gehen! Als ich nikotinversorgt wieder in der Ausstellung erscheine, sind zu meiner Erleichterung die Griffe und anderes Kleinzeug ausgewählt. «Normalerweise sucht der Mann sowieso nur den Wasserhahn aus», tröstet mich Renato mit vielsagendem Seitenblick auf die beiden anderen Paare, die vermutlich dasselbe tun wie wir. Tatsächlich: die Männer geben sich zwar Mühe, interessiert zu wirken, allerdings ohne ernste Absichten, bei der Auswahl wirklich mitzureden. Sollte bei den Herren Resignation die Triebfeder für ihr Verhalten sein – bei mir ist es wirklich der Anflug einer echten Einsicht: Mich interessiert in erster Linie das Kochen, nicht die Küche!

Um viertel vor 12 sind wir bereits durch und Renato ist positiv überrascht. Ich freue mich auch, aber wirklich überrascht bin ich nicht. Ich weiss schon lange, dass alles viel, viel schneller erledigt ist, wenn ich nicht daran beteiligt bin. Aber den Wasserhahn habe ich tatsächlich ausgesucht! Dass es derselbe war, den meine Frau auch ausgesucht hätte (nur etwas dunkler), habe ich erst nachträglich gemerkt. Ich hätte Ihnen den Wasserhahn wirklich gerne mit Bild präsentiert, aber als ich ihn heute online gesucht habe, ist mir bewusst geworden, dass ich weder eine Ahnung habe, von welchem Hersteller er stammt, geschweige denn davon, wie er genau aussieht. Hauptsache, es kommt Wasser raus, nicht wahr?

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