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Peter Kremer ist mit «Nathan der Weise» auf Tournee

«Ich glaube an das Gute im Menschen»

Peter Kremer  | Bild: agon

Als TV-Kommissar Siska war Peter Kremer in vielen Wohnzimmern willkommen. Vor seinem «Nathan»-Gastspiel in Zofingen spricht er über Gewalt, Fussball und Schutzengel.

27.02.2017 10:03, egu, 0 Kommentare

Millionen von Fernsehzuschauern ist der deutsche Schauspieler Peter Kremer als Kommissar Siska der gleichnamigen ZDF-Krimiserie bekannt. Mit dieser Rolle wurde der Theaterschauspieler zum Fernsehgesicht. Sechs Jahre fuhr Peter Kremer Spitzenquoten ein, bis er nicht mehr wollte und es in der Krimiserie 2004 dramatisch zu Ende ging. Seither steht Peter Kremer vor der Filmkamera und auf der Bühne. Am Donnerstag, 2. März ist der 59-Jährige im Drama «Nathan der Weise» erstmals in Zofingen zu sehen.

Lessings «Nathan der Weise» ist ein tiefgründiges Ideendrama. Was regt das Stück in Ihnen an?

Peter Kremer: (überlegt) Eine grosse Empathie für die Hauptfigur Nathan, die sich schon während der Proben entwickelt hat. Anfänglich hatte ich Angst, dass das Stück zu theoretisch ist. Zu bedenken gilt, dass Lessing es im Jahre 1779 verfasst hat. Die Sprache hat sich seither verändert. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Text habe ich jedoch ein klares Bild von Nathan erhalten. Der jüdische Kaufmann wurde durch viele leidvolle Erfahrungen stark geprägt. Es gelang ihm aber, seinen Hass gegen die Christenheit in Verständnis zu wandeln.

Was berührt Sie am stärksten?

Nathans Läuterung und damit die Botschaft des Verzeihens und des Handbietens. Dies macht uns Menschen menschlich. Dieses Stück ist ein klares Bekenntnis für die Menschlichkeit und das Miteinander und spricht sich gegen Religionsfanatismus und Gewalt aus. Die Ringparabel, die für eine Versöhnung der Religionen untereinander eintritt, ist für mich das Herzstück. Die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den grossen Religionen zeigen, wie aktuell dieses Thema auch bald 240 Jahre nach der Uraufführung des «Nathan» ist.

Wie haben Sie sich auf die Rolle des reichen Kaufmanns vorbereitet?

(Lacht) Ausführlich, da es eine umfassende, komplexe Rolle ist. Es galt, viel Text zu lernen, der nicht einfach so von den Lippen geht. Vor zwei Jahren habe ich mit dem Auswendiglernen angefangen. Dies, weil ich damals schon wusste, dass ich 2016 und heuer keine Zeit zum Lernen habe. So weit im Voraus habe ich noch nie gelernt. Dies erforderte von mir, die Rolle frisch zu halten. Ob daheim oder beim Spazierengehen: Ich nutzte jede Gelegenheit für das Repetieren, nahm mich teilweise auf und hörte mich dann ab.

Der Jude Nathan schliesst Freundschaft mit dem muslimischen Sultan Saladin. Toleranz und damit ein Gelten- und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten ist die Kernbotschaft dieses Stücks. Wo hört Ihre Toleranz auf?

Bei Grenzüberschreittungen und Respektlosigkeit. Da scheue ich mich nicht, den Mund aufzumachen. Für mich ist Gewalt ein absolutes No-Go. So löst man überhaupt nichts – vor allem auch Kindern gegenüber. Auch wenn ich bei meinen beiden Kindern manchmal vor Wut überschäumte, hatte ich mich immer im Griff. Ich finde es inakzeptabel, dass das russische Parlament ein Gesetz verabschiedet hat, das Strafen bei häuslicher Gewalt stark verringert.

Der Glaube und der Alleinvertretungsanspruch der Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam ist das zentrale Thema des Stückes. An was oder wen glauben Sie?

Ich glaube an die Natur. Ich glaube auch an etwas Höheres. Ich bezeichne mich aber nicht als gläubigen Menschen, das war ich noch nie. Doch ich verstehe und respektiere Menschen, die im Glauben Halt und ihren Lebensinhalt finden. Ich glaube an den Menschen per se und an das Gute im Menschen. Dies macht mir mein Leben leichter.

Nathan ist nicht bereit, an Wunder zu glauben, obschon seine Pflegetochter Recha aus dem brennenden Haus gerettet wird. Stand Ihnen schon ein Schutzengel zur Seite?

Lassen Sie mich überlegen. Meinen Kindern auf jeden Fall. Die beiden hatten einige Male enormes Glück und blieben vor Schlimmerem verschont. Was mich betrifft, kommt mir spontan kein dramatisches Ereignis in den Sinn. Wenn ich auf mein Leben blicke, kann ich sagen, dass ich Glück habe. Meine Kinder sind gesund, mein Kühlschrank ist gut gefüllt und mein Beruf erfüllt mich. Insofern habe ich einen Schutzengel.

Als Schauspieler schlüpfen Sie in die Rolle von Gutmenschen und Bösewichten. Gibt es einen Charakter, den Sie nie verkörpern möchten?

Schwer zu sagen. Der entscheidende Punkt ist für mich das Drehbuch und wie die Rolle geschrieben ist. Meine Herausforderung ist, den Figuren Leben einzuhauchen, sie zu Menschen zu machen.

Welches war Ihr peinlichster Moment auf der Bühne?

Den hatte ich glücklicherweise noch nicht. Es wäre aber aus der Kurve zu fliegen, also ein totaler Hänger. Gottlob bin ich relativ gelassen und weiss damit umzugehen. Zudem kann man auf die Kollegen vertrauen, die weiterhelfen.

Jeden Abend auf den Brettern zu stehen und die Rolle x-mal zu spielen, langweilt Sie dies nicht?

Nein, weil ich nicht jeden Abend im Rampenlicht stehe. Bei mir ist es so, dass ich ein Stück sechs, sieben Mal hintereinander spiele und dann gibt es eine Pause. Meistens stehe ich Sommer vor der Kamera und im Winter auf den Brettern. Diese Mischung gefällt mir. So ist das immer wieder etwas Neues, dem ich mich gerne mit Herzblut zuwende.

Der mediale Durchbruch gelang Ihnen als Hauptkommissar Peter Siska. Was hat Sie als Theaterschauspieler bewogen, in einer Fernsehkrimi-Serie mitzumachen?

Damals hatte ich 18 Jahre Theater hinter mir und meine beiden Kinder waren klein. Ich lebte in Süddeutschland und der gut bezahlte, sichere Job bot sich sozusagen vor der Haustür an. Vor allem aber war in der neuen Krimiserie die Rolle für mich schauspielerisch eine Herausforderung. Ich konnte Peter Siska gestalten, formen, prägen und ausfüllen – ihn zum Leben erwecken.

Sie hätten einen Kultstatus wie Derrick und sein Assistent Harry erreichen können. Warum haben Sie nach fast sechs Jahren den Schlussstrich gezogen?

Die Figur war für mich zu Ende erzählt. Meine Angst in Routine zu verfallen war gross. Selbstverständlich bot die Rolle ein sicheres und gutes Einkommen. Doch mit 45 Jahren einfach weiterspielen, nur um die Familie ernähren zu können, reichte für mich nicht aus. Da waren mein Hunger und die Lust nach neuen Rollen zu gross. Ich habe es nie bereut.

Für wen gehen Sie durchs Feuer?

Klar für meinen Fussballverein Borussia Dortmund. Letzte Woche war ich mit Freunden an einem Spiel und wir haben meinen Geburtstag gefeiert. Besser geht es nicht.

«Nathan der Weise» im Stadtsaal Zofingen, Donnerstag, 2. März, 20 Uhr.

 

 

 

 

Ausgang | Bühne | Kultur

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