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Rundgänge auf dem Gelände fördern Kurioses und Lustiges zu Tage

Heitere Begegnungen

Heitere Würste für die Heitere-Fans.  | Bild: zVg, Zofinger Tagblatt

Alles Käse? Oder doch eher ein Hühnerhaufen? Ja, und alles rüüdigi Sieche – auf dem Heitere ist immer ganz schön etwas los. Nicht nur auf den Bühnen. Lustiges und Kurioses, angetroffen auf einem Rundgang durchs Gelände.

27.06.2018 11:20, Jil Lüscher, 0 Kommentare

Heitere Fondue nonemol

Frage: Gibt es am Heitere Open Air Zofingen den Act auf der Bühne, der diesen Käse toppen könnte? Antwort: Nein. Für eine Handvoll Zufallsfreunde aus dem Grossraum Zofingen ist der Star am Supersamstag seit vielen Jahren – das Fondue. Rückblende ins Jahr 2012: Es ist Freitag. Am Kafi-Stehtisch beim Jura-Stand stimmt sich Doris aus Brittnau locker chillig aufs Heitere-Weekend ein. Pesche aus Küngoldingen gesellt sich hinzu. Doris kennt Pesche nicht, wird von ihm aber ordentlich mit Zigarren-Qualm eingenebelt. Pesche ist höflich und entschuldigt sich für die «Belästigung». Doris nimmts locker und verweist auf Jesus. Der paffe gelegentlich auch gerne. Mit Jesus meint sie ihren Mann. Seine spanischen Eltern haben ihn so getauft. Aber alle nennen ihn Suso. Doris ist ebenfalls höflich und bietet Pesche ein Biireweggli an, selbstgemacht, legendär. Aus dem von Qualm und Höflichkeit geprägten Flirt entsteht ein Adhoc-Apéro, zu dem sich nebst Suso auch Pesches Frau Cécile, Doris’ beste Freundin Karin und weitere Zugewandte gesellen.

Dazu allerlei Jungwuchs. Die Chemie stimmt und der Apéro erstreckt sich mehr oder weniger über das ganze Weekend. Als am Sonntag der Konzert-Vorhang fällt, taucht die Frage auf: «Und was machen wir nächstes Jahr?» – «Ein Fondue», wird vorgeschlagen. Von wem ist nicht überliefert, aber der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag findet Zustimmung – und wird zum jährlichen Ritual. Das Team ist eingespielt: Doris «schmuggelt» die Hardware, also Rechaud, Caquelon und Gabeln ins Festival-Gelände. Pesche ist für die Software zuständig, sprich Käsemischung, Chnobli, Gewürz, Brot. Karin bringt das Dessert. Probleme mit der Security? Suso: «Bisher nicht, wir machen ja alles transparent. Und wenn, würden wir die Security einfach zur Fondueparty einladen.» Partytime ist immer am Samstagabend. Plusminus gilt: same time, same place. Der harte Kern bildet das Gründerteam, darum herum hat sich eine Art flexible Community gebildet. Mal sind es mehr, mal weniger, die mitgabeln, je nachdem, wie die Ehe- und Freundschaftskonstellationen grad sind. Pesche: «Man kennt uns mittlerweile. Viele Heitere-Besucher schauen spontan auf ein breitsmiliges Daumen-oben-Hallo vorbei. Manche setzen sich kurz dazu und tauchen in figugegeliger Stimmung ein paar Brotstückchen in den Käse.» Apropos: So crazy die Fondue-Party am Heitere ist, so besonders ist auch die Käsemischung dazu: entdeckt von Pesche in einer Käserei im neuenburgischen Les Ponts-de-Martel. Eine exzellente Mischung, passend zu jeder Musik. Und die spielt für die Heitere-Fondueler sowieso im Caquelon. Was auf den Festival-Bühnen abgeht, ist willkommene Beilage.

Heitere Fondue

Fondue sorgt für gute Laune - selbst auf dem Heitere  | Bild: zVg, Zofinger Tagblatt

So ein Hühnerhaufen
Pit war lange der einzige Gockel im Hühnerstall ... Wie das zu verstehen ist? Nun, begonnen hat alles vor 15 Jahren. Mit den Chickens. Ein Frauengrüppchen aus dem Luzernischen, das sich aufmachte, den Heitere zu erobern, wobei bereichern treffender ist. Auch wenn sich die Chickens heute nicht mehr so nennen, man kennt und liebt sie. Ihre kleine Zeltstadt mit Partyzelt als Zentrum ist ein viel besuchter Hotspot, für Menschen, die Freude an wertvollen Begegnungen haben. Und einem Leckerbissen vom Grill selten abgeneigt sind. Corinne, Frau der ersten Stunde: «Die Musik spielt auf dem Heitere logischerweise eine zentrale Rolle, aber wichtig ist uns auch die Kulinarik» – in festem und flüssigem Aggregatszustand, sei hinzugefügt. O-Ton Corinne: «Letztes Jahr hat der Likör 43 (Cuarenta y Tres) den Jägermeister im Shötli abgelöst...». Das Allerwichtigste sei aber die Gemeinschaft, das Beisammensein, die guten Gespräche, viel Lachen... . Wir nennen die Heiterezeit auch immer Seelenferien.» Alles sei so friedlich. Wobei: Es gibt auch unliebsame Gäste, Bienen, Wespen, Mücken. Auf dem Zeltplatz sind sie oft eine richtige Plage. Corinne hats mit dem Spray «bremsen bremse» versucht. Der nütze zwar, mache aber einsam: «Das Zeugs stinkt dermassen, dass sich alle Lebewesen inkl. Menschen verziehen». Aus den Chickens ist im Lauf der Zeit ein, man könnte sagen, organisch gewachsener bunter Hühnerhaufen geworden, geschlechtsspezifisch gesehen heterogen. Will heissen: Gockel Pit hat die Einzigartigkeitsstellung «Mann» eingebüsst. Zudem sind die Jahre ins Land gezogen, nicht ohne Folgen. «Ab einem gewissen Alter schätzt man die Annehmlichkeiten eines Bettes, einer Dusche und eines eigenen WCs», sagt Corinne. Heisst: Abchillen auf dem Heitere, übernachten im Hotel. An Schlaf auf dem Zeltplatz sei eh nicht zu denken, wenn man die 24-h-Bar in der Nachbarschaft hat. Los gehts für den Luzerner «Hühnerhaufen» immer schon am Dienstag: Zelte aufstellen und anschleppen, was zu einem easy-going-Weekend so dazugehört. Ganz wichtig, der Grill. Aber auch Heuballen, Kühlkisten und vieles mehr. Früher zählte eine Lounge zu den Basics. Warum die ganze Müh schon am Dienstag? Corinne: «Damit wir unseren Standplatz auch wirklich auf sicher haben.» Im Lauf der Jahre habe man zwar einen guten Draht zur Zeltplatzorganisation aufbauen können, aber «you never now». Apropos: Der Zeltplatzchef heisst Dirk und Dirk kennt seine Pappenheimer: Legendär sei das bierselige Feilschen mit ihm um die Frage, wieviele Zeltvoucher es für ein Partyzelt brauche. Die «Hühnerhaufen»-Residenz ist immer leicht zu erkennen, 2015 zum Beispiel an der Australienflagge, die in den Himmel ragte. Eine Hommage an das John Butler Trio – geniale Australische Band mit Gitarrenspiel auf Weltklasseniveau. Corinne sagt, es lohne sich, am Heitere Open Air nach musikalischen Perlen zu tauchen. Immer wieder finde man was. Sie erwähnt Acts wie Vintage Trouble, Candy Dulfer oder die sensationelle Noisette. Und auf was freuen sich die Luzerner Hühner dieses Jahr? Corinne: «Auf drei weitere tolle Heitere-Tage, mit Menschen, die wie wir, leben und leben lassen.»

Hühnerhaufen Heitere Open Air

Macht jedes Jahr «Seelenferien» auf dem Heitere: Der Luzerner Hühnerhaufen.  | Bild: zVg, Zofinger Tagblatt

Rüüdige Sieche vom Team Heitere

«Das Heitere Open Air ist das Kleinste unter den Grossen und das Grösste unter den Kleinen». Tönt doch richtig knufflig, wie Mirco Meyer vom Team Heitere das Zofinger Open-Air-Festival charakterisiert. Und es ist Ausdruck einer wahren Liebesbeziehung zwischen den Mitgliedern – der harte Kern kommt aus Littau, der Rest aus der ganzen Schweiz – und dem Heitere: Mirco schwärmt vom unvergleichlichen Charme dieser Veranstaltung, die er heuer zum 19. Mal besucht. Familiär sei die Atmosphäre und übersichtlich dazu: «Du findest deine Leute auch ohne Handy». Einzigartig sei wohl der freigeistige Spirit, den man auf dem Zeltplatzgelände geniesse. Mirco braucht den Ausdruck «Narrenfreiheit», warnt aber vor einer falschen Interpretation. Er lobt die grosse Toleranz der Zeltplatzorganisation und setzt den Appell: «Bitte nicht ausnutzen!» Das Team Heitere ist eine Fan-Gemeinschaft mit aktuell 40 Mitgliedern, alles «rüüdigi Sieche» wie es im Luzernischen heisst. «Mehr geht nicht», sagt Mirco. In den zwei grossen Domzelten, die das Team Heitere jeweils aufstellt, sei zwar reichlich Platz vorhanden, aber auch die hätten Kapazitätsgrenzen. Grenzenlos ist dafür die Kreativität des Team Heitere, und die wird möglichst in positive Energie umgesetzt. Zum Beispiel in einen visuell fantasievoll gestalteten Aufruf gegen Littering. Mirco: «Wir haben Kühe anfertigen lassen und diese mit einer entsprechenden Botschaft auf dem Zeltplatzgelände platziert». Vorletztes Jahr gabs vom Team Heitere ein Ausrufezeichen gegen Gewalt. Sujet: Ein übergrosser Joint mit der Aufschrift «Gewalt kommt nicht in die Tüte». Und dieses Jahr? «Ist noch geheim,» sagt Mirco, der kreative Prozess sei in der heissen Phase. Noch ein Wort zur Infrastruktur: Das Team Heitere ist «dore» organisiert. Der Schreiner im Team hat eine Küche angefertigt und der Stromer sorgt für «Pfuus», mit dem man Licht und Soundanlage steuern kann – sehr zur Freude von Barkeeper und Hobby-DJ Mirco. «Ond äxgüsi», man hat Ansprüche: Der Schreiner wünscht alle Gegenstände (Möbel, Zelt, Küche, Bar, DJ-Wagen) in der Farbe Weiss. Erwähnenswert ist auch der Menüplan, Zmorge und Znacht seien fix geplant. In erster Linie für das Team Heitere, aber auch für Gäste. Mircos Eltern etwa, die Mutter 71 Jahre alt. Das jüngste Team-Heitere-Mitglied zählt 55 Lenze weniger. Rechne. Apropos rechnen: Finanziert wird das aufwändige Heitere-Weekend durch einen fixen Mitgliederbeitrag und einen Stand an der Littauer Fasnacht. «Da spült es uns auch immer einen Batzen ins Kässeli», sagt Mirco Meyer. Wichtiger als Geld sei aber der Spass. Beim Team Heitere eine garantierte Sache oder wie es auf der Homepage teamheitere.ch heisst: mannhatten (oder nöd...).

Team Heitere

Team Heitere: «Das Heiter Open Air ist das Kleinste unter den Grossen und das Grösste unter den Kleinen!»  | Bild: zVg, Zofinger Tagblatt

Heitere | Magazin | Zofingen

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