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Gini's lose Kolumnensammlung

Die unverschämte Kältewelle

 | Bild: Bruno Muntwyler

Alle heilige Zeit muss ich mir das antun, den halben Tag beim Coiffeur zu verbringen. Wenn der Kopfgärtner nach rund vier Stunden fertig ist, bin ich vom dumm rumsitzen verblödet, müd und mir tut alles weh.

05.03.2018 10:57, rwi, 0 Kommentare

Ich bin absolut nicht der Typ, der sich an belanglosen Gesprächen beim Coiffeur sitzend beteiligt. Doch kürzlich erschien mir das Thema der Leidensgenossin neben mir interessant zu sein: Die Kältewelle, die im Moment alles und jeden im Griff hat und vor allem scheinbar auch das Hirn einfriert. (Letzteres könnte ich fast bestätigen – mit gefühlten drei Litern Farbe auf dem Kopf eine rauchen zu gehen, ist eine denkbar blöde Idee und fühlt sich an wie Gefrierbrand). Neben mir sitzt eine Mutter, die sich extrem darüber aufregt, dass der Nachwuchs bei der Kälte in den Pausen an die frische Luft muss. Vor meinem geistigen Auge entstehen Bilder von lauter kleinen Kindern, die als Eiszapfen den Schulhof verzieren…. Ich boykottierte meine eigenen Grundsätze und mischte mich in das Gespräch: «Ihr wisst aber schon, dass die Winter früher noch kälter und strenger waren als heute? Und dass solche Temperaturen normal waren?» Zuerst wurde ich mit betretenem Schweigen bestraft – dann kam ein schüchternes «Wirklich?» von der Coiffeuse. Ich verzeihe ihr innerlich – sie dürfte gut halb so alt sein wie ich und kanns nicht besser wissen. Die Mutter hingegen machte mir klar, dass es eine Unverschämtheit sei, die Kinder nach draussen zu «zwingen». Eigentlich hätte die Reaktion jeden weiteren Kommentar im Keim ersticken müssen, aber ich konnte es mir nicht verkneifen: «Frische Luft hat noch nie geschadet. Ich verstehe die Verweichlichung nicht, die heute veranstaltet wird. Ich bin bei Wind und Wetter noch eine halbe Stunde in die Schule gelaufen und wieder zurück. Und bin auch gross geworden. Heut werden die Kinder bis vor die Schultür gefahren. Die grösste Gefahr besteht ja wohl darin, dass die Finger der Sprösslinge am Natel festfrieren.» Das betretene Schweigen, gepaart mit absolutem Unverständnis, ging in die nächste – zugegeben unangenehme – Runde. Ich freu mich schon auf die gleichen Menschen im Sommer – wenns dann dauernd viel zu heiss ist, oder dauernd zu viel regnet. Mir gehen jetzt schon Klugscheissereien und Empfehlungen durch den Kopf. Ich gehe aber auch davon aus, dass ich mir dann einen neuen Coiffeur suchen muss.

In losen Abständen wird es hier Geschichten, Anekdoten, Sinnvolles und Unsinniges aus dem Alltag geben....  

Miss Gini

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