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Serie Gemeindeweine (5/5)

«Ein Wein, der nicht schmeckt, ist kein politisches Statement»

Nachdem drei Experten sechs weisse Gemeindeweine unter die Lupe genommen haben, sind heute die Ammänner an der Reihe. Welcher Wein schmeckt ihnen am Besten? Und erkennen sie ihren eigenen Gemeindewein?

23.07.2015 15:15, Lilly-Anne Brugger, 0 Kommentare

Etwas nervös sind sie schon, die Gemeindeammänner von Aarburg, Brittnau und Vordemwald und der Stadtammann von Zofingen. «Wir sind keine Weinexperten», sagen sie, während ihnen sechs verschiedene weisse Gemeindeweine eingeschenkt werden. So einfach sei es nicht, nun zu sagen, welcher denn am Besten munde. «Wir sind uns einig. Wenn uns ein Wein nicht schmeckt ist dies kein politisches Statement», flachst Zofingens Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger.

In der Nase alle gleich

Astrid Haller, Frau Gemeindeammann von Brittnau, begutachtet währenddessen ganz genau die mit schwarzen Plastiksäcken verhüllten Weinflaschen. «Vielleicht erkenne ich unseren Wein oben am Verschluss», hofft sie. Doch dann wendet auch sie sich den sechs Gläsern zu, in denen sechs Weissweine in den unterschiedlichsten Gelbtönen schimmern. Es sind zwei Riesling-Silvaner, zwei Chasselas, ein Fendant und ein Sauvignon Blanc. Drei der Weine werden im Kanton Aargau produziert, die anderen in der Wetschweiz. Immer wieder schwenken die Gemeindeammänner den Wein im Glas, heben das Glas anschliessend an die Nase und nehmen einen Schluck. «Oh, der hier schmeckt nach Schnaps», sagt Max Moor, Gemeindeammann von Vordemwald, und macht sich auf dem Bewertungsbogen eine entsprechende Notiz. «In der Nase sind alle gleich gut. Im Mund fällt aber einer etwas ab», ergänzt Hans-Ulrich Schär, Gemeindeammann von Aarburg. Die Ammänner von Strengelbach und Safenwil waren ebenfalls zur Degustation eingeladen, haben sich aber entschuldigen lassen.

Nicht nur Vordemwald, auch Brittnau hat sich in diesem Jahr einen neuen Gemeindewein angeschafft. «Wir haben verschiedene Blind-Degustationen durchgeführt, bis wir den passenden Wein gefunden haben», erzählt Astrid Haller. Der alte Wein sei nicht schlecht gewesen, aber zur neuen Legislaturperiode mit neuen Gemeinderäten gehöre eben auch ein neuer Gemeindewein. Und eine dazu passende Etikette. Das sei schon wichtig, fügt sie an. «So haben wir auch etwas persönliches, das wir beispielsweise einem Jubilar von der Gemeinde aus überreichen können.» Welchen Wein die Brittnauer Gemeinderäte schliesslich ausgewählt haben, sei in einem Mehrheitsentscheid gefallen. «Wir hatten ein Männer- und ein Frauenlager», sagt Astrid Haller. «Bei uns war der Entscheid einstimmig», wirft Max Moor ein.

Alle tippen auf den Ehrenwein

Auf die Bitte, sich zu überlegen welcher Wein am besten schmeckt und welcher der eigene Gemeindewein sein könnte, wird es nochmals ruhig in der Runde. «Welchen Wein würde ich kaufen?», murmelt Max Moor vor sich hin. «Einen roten», antwortet Hans-Ulrich Schär prompt. Doch auch bei den Weissweinen aus der Degustation hat er eine klare Meinung: Es seien alle trinkbar. Nur einer falle ab. «Und nun besteht die Gefahr, dass genau dies unser Ehrenwein ist.» Max Moor muss als erster Gemeindeammann einen Tipp abgeben, welcher Wein der Wein seiner Gemeinde ist. Er tippt auf den Aarburger Ehrenwein. Auch Astrid Haller gibt einen Tipp auf den Aarburger Ehrenwein ab. Hans-Ulrich Schär hingegen erkennt den eigenen Wein im Safenwiler wieder.

Nur Hans-Ruedi Hottiger liegt mit seinem Tipp richtig: Er ist überzeugt, dass Wein Nummer fünf der Zofinger Rothüsler ist. «Vielleicht bin ich mich schon so sehr an den Wein gewöhnt», flachst er. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu, dass dieser Wein in der Auswahl der sechs degustierten Weine eben der beste, der rundeste gewesen sei. «Privat muss es aber nicht unbedingt ein Chasselas sein. Da darf es gerne auch ein Spanischer oder Italienischer Weisswein sein.»

Der Safenwiler schmeckt

«Es gibt zwei Top-Weine in dieser Auswahl. Das ist der Safenwiler Gemeindewein und unser Ehrenwein», sagt Hans-Ulrich Schär. Auch Astrid Haller schmeckt der Safenwiler Gemeindewein am besten. Nachdem Max Moor beim Tipp für den eigenen Gemeindewein falsch lag, kann er das Ruder nun wieder herumreissen: Ihm schmecke die Nummer 3 am besten, sagt er. Und dies ist tatsächlich der Vordemwalder Gemeindewein. Für Hans-Ruedi Hottiger kommt keiner der degustierten Weine an den Zofinger Rothüsler heran.

«Ich bin schon froh, dass ich den Aarburger Ehrenwein Top gesetzt habe. Jetzt kann ich mich zu Hause auch wieder zeigen», meint Hans-Ulrich Schär lachend. Max Moor hingegen ist eher überrascht, dass er einerseits seinen Gemeindewein nicht erkannt hat und dass andererseits dieser Wein nicht allen Gemeindeammännern geschmeckt hat. «Wir dachten eigentlich, dass wir einen Wein ausgewählt haben, der vielen mundet.» Auf den Hinweis, dass in der Sommerhitze eben ein fruchtiger Sauvignon Blanc nicht so süffig sei wie ein eher säurehaltiger Riesling-Silvaner, meint Max Moor schmunzelnd: «Wir haben unseren Gemeindewein eben im Winter ausgewählt.»

 

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