AgendaKarte
Inhalt
Sortierung
Heitere regiolive.tv radioinside.ch ZT-news
AgendaKarte

Lieber Elektroschocks als Nichtstun

Ein Plädoyer für die Leere

weiss

Nichts tun, nichts erleben, nichts denken, fällt uns schwer. Dabei täte es gut. Die Hirnforschung entdeckt die befreiende Wirkung der Leere

22.09.2016 08:25, Jörg Zittlau/AZ, 0 Kommentare

Eigentlich war nicht schwer, was den Probanden an der University of Wisconsin abverlangt wurde. Sie sollten einfach nur in einem geschlossenen Raum sitzen, und am Ende würde man ihnen die Teilnahmegebühr auszahlen. Auf dem Tisch stand ein Gerät, mit dem sie sich selbst einen ungefährlichen, aber unangenehmen Stromschlag verpassen konnten. «Doch warum sollte man das tun, wenn man schon durch das blosse Absitzen der Zeit Geld bekommen würde?», fragte sich Studienleiter Timothy Wilson. Und er hielt dies zunächst nur für eine rhetorische Frage. Tatsächlich aber verabreichten sich zwei Drittel der Männer gleich mehrere Elektroschocks, ihr Durchschnittswert lag bei etwas mehr als sieben Schlägen pro Viertelstunde Beschäftigungslosigkeit. «Darunter waren keine Masochisten», so Wilson, «denn die hatten wir durch ein Vor-Experiment ausgeschlossen.» Bei den Frauen war die Quote etwas niedriger, aber immer noch unerwartet hoch.

Die Probanden wählten also lieber Elektroschocks anstelle von Nichtstun und Erlebnislosigkeit. Und damit stehen sie nicht allein. Denn wer hält es noch aus, wenn der Fernseher, das Radio oder das Internet ausfällt, wenn keine Ablenkung und niemand da ist für die Konversation? In Umfragen zeigte sich, dass viele Menschen vor Langeweile ähnlich viel Angst verspüren wie vor einem Krebsgeschwür.

Wie entschieden unsere Erlebnisgesellschaft die Leere meidet, zeigt sich auch darin, dass in der Schweiz ein Viertel der über 65-Jährigen eine Patientenverfügung unterschrieben hat. Sie haben also festgelegt, dass die lebenserhaltenden Massnahmen abzuschalten sind, sofern der Patient nur noch regungslos im Bett liegt. Die Angst vor diesem Zustand der absoluten Untätigkeit ist so gross, dass man lieber tot sein will.

Pause vom Denken
Doch es lohnt sich, diese Sichtweise zu korrigieren: Denn Leere kann auch ein positiver Zustand für uns sein – und das liegt daran, dass unser Gehirn nicht nur ein Denkorgan ist. «Es ist auch ein Organ, das gerne gedankenlos ist», erklärt Neurobiologe Niels Birbaumer von der Universität Tübingen. So entdeckten Forscher, dass unser Gehirn immer wieder in den sogenannten «Twighlight»-Status umschaltet: Die Neuronen feuern im niederfrequenten Wellenbereich und im Zwischenhirn schliesst der Thalamus seine Pforten, sodass weniger Reize in den oberen Hirnregionen ankommen. Das geschieht beispielsweise, wenn wir aus dem Wachzustand in den Schlaf dämmern oder in der Hängematte dösen, was wir bekanntermassen als sehr angenehm empfinden.

Angst vor Leere haben wir also nur dann, wenn wir sie als Erlebnis- und Reizlosigkeit und damit als Bedrohung sehen. Doch sofern wir sie bereitwillig in unser Gehirn einziehen lassen, empfinden wir sie als angenehm. Was allerdings auch wieder eine Frage aufwirft. Denn eigentlich hat ja Leere nichts Konkretes zu bieten, was wir als angenehm empfinden könnten. Was kann sie uns also Positives geben?

Aus hirnphysiologischer Sicht lautet eine Antwort, dass sie unsere DefenseSysteme in den tieferen Hirnregionen zur Ruhe kommen lässt. Deren Aufgabe besteht darin, möglichst frühzeitig Gefahren aufzuspüren, weswegen sie überlebensnotwendig sind.

Das kann aber auch zum Nachteil werden, wie Birbaumer erläutert: «Wir wähnen dann überall Gefahren, und das bedeutet in unserer hektischen und komplexen Welt, dass unsere Gedanken permanent mit Gefahrenabwehr beschäftigt sind.» Die Defense-Systeme sind mehr oder weniger im Dauereinsatz, was an den Kräften zehrt und – wie Psychosomatiker immer wieder betonen – vielen Krankheiten den Weg bereitet. Die Leere kann hier eine Pause schaffen und für Entlastung sorgen. Durch sie verlieren die Dinge an Bedeutung und damit auch an Problematik, sodass es keine Veranlassung mehr gibt, die Defense-Systeme zu aktivieren.

Der Sinn der «Sinn-Losigkeit»
Doch Leere kann auch neue Reize schaffen. Denn sofern sich unter der Schädeldecke ein sanft wogender Ozean niederfrequenter Wellen ausbildet, können aus ihm leichter hochfrequente Inseln der Achtsamkeit herausragen. Als man Versuchspersonen in eine Isolierzelle steckte, in der neben dem Hö- ren, Sehen, Tasten und Schmecken auch – mittels einer Salzlake, in der man wie in Schwerelosigkeit schwebt – der propriozeptive Sinn für den eigenen Körper heruntergefahren wurde, fühlten sie sich danach nicht nur so wohl, dass sie die Zelle gar nicht mehr verlassen wollten. Vielen von ihnen waren in diesem Zustand der «Sinn-Losigkeit» auch neue, kreative Ideen gekommen. Als hätte ihr Gehirn eine Art «Reset» erlebt.

Diese produktive, angenehme Leere lässt sich, wie man in den Tübinger Neurobiologie-Labors ermittelte, auch durch Zen-Meditation erreichen sowie durch Musik, Tanz, Sex und Religion. Auch Sportler berichten davon, dass sie beim Bergsteigen, Rudern oder Marathon in einen «Leere-Flow» geraten, während andere Menschen dafür nur das Bügeln brauchen. «Hauptsache, das Gehirn wird dabei von einem langsamen Rhythmus erfasst», so Birbaumer.

Und dazu gehört, dass man sich vorbehaltlos der Leere hingibt. Wer halbherzig meditiert wird keine Leere schaffen können. Experimente, in denen über Hirnscans mit Locked-in-Patienten kommuniziert wurde, haben gezeigt, dass diese Menschen eine höhere Lebensqualität als Querschnittgelähmte haben, weil sie mit ihrem Schicksal und ihrem Verlust abgeschlossen haben. «Positive Leere gibt es nur», warnt Birbaumer, «wenn wir uns ihr kompromisslos und vertrauensvoll hingeben und nicht betrauern, was wir durch sie verlieren. Anders funktioniert sie nicht».

*Jörg Zittlau ist freier Mitarbeiter der AZ und hat zusammen mit Niels Birbaumer das Buch «Denken wird überschätzt. Warum unser Gehirn die Leere liebt» geschrieben. Erschienen im Ullstein Verlag, 28.90 Fr.

Wissen

Kommentar schreiben

Dein Eintrag wird überprüft und so schnell wie möglich online gestellt.


Zu diesem Artikel gibt es bisher keine Kommentare


Er wurde fast 100 Jahre alt - seine Designs werden noch viel länger leben Der Mann, der Maschinen ein Gesicht gab Das Vitra Design Museum zeigt, wie der Italiener Ettore Sottsass (1917–2017) unseren Alltag geprägt hat. Wollten Sie sich schon immer einmal selber begegnen? Geburt eines neuen Mediums Was der Film vor über 100 Jahren war, ist Virtual Reality heute: Eine Revolution. Wie Pioniere die Möglichkeiten einer neuen Kunstform ausloten. In Zofingen entsteht ein Haus in biologischer Bauweise - im Einklang mit Feng Shui und Astrologie Acht Ecken werden zur natürlichen Wohlfühloase Franziska Jud baut ihr Eigenheim auf ungewöhnliche Weise und will mit gutem Beispiel vorangehen. «Wissen am Dienstag» Stan Wawrinka Er hat es geschafft: Stan Wawrinka gewann das US Open 2016 in New York! Zeit also, uns durch zwölf Fragen über Stan the Man zu stöhnen. CPure: Probieren geht über Studieren Es wirkt! CPure ist ein THC-armes Cannabis mit einem hohem CBD-Gehalt, das (vorerst noch) legal vom Zürcher Unternehmen BioCan verkauft werden darf. Die Frage ist, wie das wirkt - oder anders formuliert: wirkt es überhaupt? Reto Porter hat den Selbsttest gemacht. Nachgefragt bei Dr. Manfred Fankhauser, dem einzigen «Cannabis-Apotheker» der Schweiz Was soll man vom «legalen Cannabis» halten? Der Zürcher Startup BioCan hat am 12. August «CPure», ein «legales Cannabis», auf den Markt gebracht, das kaum THC, dafür einen hohen CBD-Anteil aufweist. Angepriesen wird das Produkt als trendiger Tabakersatz. Was soll man davon halten? Nicht, dass wir sie vermissen würden, aber.... Wo sind eigentlich die Wespen geblieben? Eigentlich nerven sie. Aber sind sie nicht da, fragen wir uns, wo sie sind – die Wespen. Ende August schwirren sie wieder herum, sagen Experten.
Neue Artikel werden geladen
Neue Veranstaltung erfassen
26.09.2017 Offener Töpferkeller Zofingen
Anderes

14:00 - 17:00 Uhr «Offener Töpferkeller»

Freies Modellieren für Erwachsene im Töpferkeller.

Kontakt:
info@spittelhof.ch

Eintritt: ab CHF 6.-- je nach Besuchsdauer

Website: www.spittelhof.ch

Lokalität:
Freizeitanlage Spittelhof
Strengelbacherstrasse 29
4800 Zofingen

Veranstalter:
Freizeitanlage Spittelhof
Strengelbacherstrasse 29
4800 Zofingen

www.spittelhof.ch

Begegnungscafé «zwüscheHalt» Zofingen
Anderes

14:30 - 17:00 Uhr «zwüscheHALT»

Die gemütliche Kaffee-Ecke für den Zwischenhalt im Alltag.

Kontakt:
Beat Maurer/beat.maurer@ref-zofingen.ch/0627450095

Website: www.ref-zofingen.ch

Lokalität:
Reformiertes Kirchgemeindehaus
Hintere Hauptgasse 19
4800 Zofingen

Veranstalter:
Kirchkreis Zofingen-Mühlethal
Hintere Hauptgasse 19
4800 Zofingen

www.ref-zofingen.ch
beat.maurer@ref-zofingen.ch

Kinderkleiderbörse am Thutplatz Zofingen
Anderes

09:00 - 11:00 Uhr
14:30 - 16:30 Uhr

Kinderkleider Herbst/Winter, Schuhe, Babyartikel, Kinderwagen, Velos, Helme, Autosicherheitssitze, Spiele, Bücher, Sicherheitsdecken.

Kontakt:
R.Läderach 062 751 15 83/C.Giannelli 062 751 80 42

Website: www.kinderkleiderboerse1.jimdo.com

Lokalität:
Thutplatz
Thutplatz
4800 Zofingen

Veranstalter:
Kinderkleiderbörse beim Thutplatz
Hintere Hauptgasse 21
4800 Zofingen

Stricken...was die Nadel hält! Oftringen
Anderes

19:00 - 21:30 Uhr

Nehmen Sie Ihre Strickwaren und gute Laune mit! Für Mann und Frau jeglichen Alters!

Kontakt:
buero@obristhof.ch

Website: www.obristhof.ch

Lokalität:
Freizeitzentrum Obristhof
Dorfstrasse 1
4665 Oftringen

Veranstalter:
Freizeitzentrum Obristhof
Dorfstrasse 1
4665 Oftringen

Männer- und Seniorenturnen Aarburg
Sport

19:00 - 22:00 Uhr

Fit bei Sport mit Musik und Spielen, für Senioren ü65 19.00-20.15h, für Männer ü35 20.15-22.00h

Kontakt:
Paul Karrer, Präsident paul.karrer@pro-book.ch

Website: www.mtv.pcaarburg.ch

Lokalität:
Turnhalle Paradiesli
Bezirksschulhaus
4663 Aarburg

Veranstalter:
Männerturnverein STV
Postfach 5
4663 Aarburg

Kirchkreis-Versammlung Strengelbach
Politik/Öffentliche Hand

19:00 - 22:00 Uhr

Die Kirchenkommission Strengelbach möchte den Austausch mit Mitgliedern pflegen.

Kontakt:
samuel.dietiker@ref-zofingen.ch

Eintritt: kein

Website: www.ref-zofingen.ch

Lokalität:
Reformiertes Kirchgemeindehaus
Sägetstrasse 10
4802 Strengelbach

Veranstalter:
Reformierter Kirchkreis Strengelbach
Sägetstrasse 10
4802 Strengelbach

www.ref-zofingen.ch

Frauenturnverein alte Sektion Zofingen Zofingen
Anderes

19:15 - 20:15 Uhr «Gesundheitsturnen ab 50»

Gesundheitsturnen ab 50 Jahren. Auskunft erteilt Yvonne Jung, Telefon 062 751 64 40.

Kontakt:
Yvonne Jung, lothar.jung@solnet.ch

Lokalität:
Stadtsaal-Turnhalle
Weiherstrasse 2
4800 Zofingen

Veranstalter:
Frauenturnverein Alte Sektion

4800 Zofingen

Trachtenchor Oftringen Zofingen
Anderes

19:30 - 21:30 Uhr

ausser Schulferien. Wir freuen uns über neue Männer/Frauenstimmen,Probelektion jederzeit möglich.

Lokalität:
Wüest
alter Kirchweg 28
4800 Zofingen
kfwuest@hispeed.ch

Veranstalter:
Trachtengruppe

4665 Oftringen

Trachtenchor Oftringen Oftringen
Anderes

19:30 - 21:30 Uhr

Ausser in den Schulferien. Probelektion jederzeit möglich Freuen uns auf neue Männer/ Frauen Stimmen

Lokalität:
Mehrzweckhalle
Grubenweg 20
4665 Oftringen

Veranstalter:
Trachtengruppe

4665 Oftringen

Frauentrunverein STV Rothrist Rothrist
Sport

20:00 - 21:30 Uhr «Turnen»

Kontakt:
Edith Ott, Tel. 062 794 39 50

Lokalität:
Neue Turnhalle Dörfli 3
Geisshubelweg 8
4852 Rothrist

Veranstalter:
Frauenturnverein
Pilatusweg 27
4852 Rothrist

http://www.tvrothrist.ch/