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150 Jahre Lang & Co. AG Reiden

Ein bunter Faden schreibt Geschichte

Jakob Lang, Lang & Co. AG, Reiden

Jakob Lang führt seit 1997 das traditionsreiche Familienunternehmen und beschreitet neue Wege.  | Bild: Regina Lüthi

In Reiden werden seit 150 Jahren Garne und Wolle hergestellt und in die Welt hinausgeschickt. Das Unternehmen wird in der sechsten Generation von Jakob Lang geführt.

07.12.2017 08:33, regina lüthi, 0 Kommentare

Wer das Unternehmen besucht, erlebt eine Mischung aus Historie und Moderne. Der alte Mühlehof und die zugehörigen Gebäude und die erste Produktionshalle, die 1867 fertiggestellt wurde, stehen immer noch und belegen die lange Geschichte, die sich hinter dem modernen Unternehmen verbirgt. Jakob Lang selbst gibt sich bescheiden: «Wenn ein Unternehmen so lange bestehen und in der Familie bleiben kann, steckt nicht nur viel Arbeit dahinter. Sondern manchmal auch ein bisschen Glück.» Die Passion der Familie heisst Wolle – und alles, was man aus den bunten und flauschigen Knäueln herstellen kann.

Die Wurzeln der Familie Lang liegen in Oftringen. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten sie als Bauern und Fergger in Oftringen. 1860 kaufte Bernhard Lang die «Unterwasser Mühle» in Reiden mit dem Recht zur halben Nutzung des Wiggerwassers. Fünf Jahre später wurde die Fabrik gebaut. Gesponnen wurden mittelgrobe, gekämmte Garne. Mit der Elektrifizierung hielt 1890 die erste Modernisierung Einzug. Das Kerngeschäft der Firma war die Belieferung der Socken- und Strumpfindustrie. Bereits damals wurde nach Frankreich und Deutschland exportiert. Im Kanton Luzern war das Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten der grösste Arbeitgeber, erhielt das ganze Wasserrecht und baute die Struktur immer weiter aus. «Ein Unternehmen zu leiten ist immer eine Abfolge von Krisen. Man orientiert sich immer wieder neu und definiert Ziele», so Jakob Lang. Dass es in 150 Jahren die eine oder andere Krise gab, steht ausser Frage. Kriege, neue Märkte, Zielgruppen die sich anderen Hobbys zuwenden, das Bild der Frau, das sich im Laufe der Jahrzehnte wandelte – all das prägte das Firmengeschehen. «In den 70er und 80er Jahren änderte sich alles», erinnert sich Jakob Lang. «Plötzlich war Jane Fonda aktuell. Es gab andere Stoffe, Oberteile mit Riesenschulterpolstern und die Wolle verschwand eine Zeitlang.» Bis ins Jahr 2000 kollabierte das Absatzvolumen. «Dabei hängen sehr viele Emotionen am Stricken. Grossmütter stricken für ihre Enkelinnen und erinnern sich an ihre eigene Kindheit. Oft wird gerade in solchen Situationen Liebe gestrickt. » 1997 übernahm Jakob Lang das Unternehmen von seinem Vater. Seit Bestehen der Firma gab es gute internationale Kontakte mit Lieferanten und Kunden. Diese werden weiterhin ausgebaut und neue Märkte erschlossen. «Uns reichte es nicht mehr, Wolle und Garn zu produzieren. Wir machten uns Gedanken darüber, was man alles herstellen kann. Unter dem Label «LANGYARNS» sind Strickanleitungen erhältlich, das Unternehmen schreibt Modegeschichte mit Eigenkreationen, ist immer am Puls der Zeit. Die hochstehende Qualität und die grosse Vielfalt wird international geschätzt. «Bei uns kriegt man einfach alles. Von Yak über Kaschmir bis hin zur Merinowolle. » Derzeit herrscht Hauptsaison in Reiden. Denn aktuell werden bereits die Trends für den Herbst 2018/2019 vorbereitet. «In Spitzenzeiten lagern hier bis zu 300 000 Kilogramm Handstrickgarn, verteilt auf 4500 Positionen.»

Die LANGYARNS sind unter anderem in Südkorea, USA, China, Russland und Kanada beliebt und jährlich werden rund 60000 Pakete verschickt. Unter der Führung von Jakob Lang arbeiten in familiärer Atmosphäre in Reiden 50 Mitarbeiter, in der Tochterfirma in Deutschland sind es mittlerweile 20. Europaweit werden rund 2000 Einzelhändler beliefert. Handwerkliche Tätigkeiten sind im Ausgleich zur immer mehr automatisierten Arbeitswelt im Trend. «Stricken ist eine uralte, weltweit verbreitete Kulturtechnik. In der heutigen Zeit nimmt diese Kunst wieder zu. Wir sitzen doch alle meistens vor dem Computer, erschaffen mit den eigenen Händen nichts mehr. Die Tendenz geht wieder in Richtung

Ein Unternehmen darf nie stillstehen und muss sich stets weiterentwickeln. Darin sieht Jakob Lang sein Hauptziel. Auf Kanälen wie Youtube und Facebook vereinen sich ebenfalls Tradition und Moderne. Es gibt nämlich nicht nur ein Video über die mehr als 100 Jahre alte Maschine, die immer noch Wolle verarbeitet, sondern auch ein Video übers Armstricken – das übrigens schon mehr als 1,4 Millionen mal angeklickt wurde. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Stricken und Schönes gestalten aus buntem Garn noch lange nicht aus der Mode gekommen ist. «Das Schöne ist, dass es eine Vermischung gibt. Frauen schweissen und es gibt viele Männer, die stricken. Und ja – ein bisschen Stricken kann ich auch», schmunzelt Jakob Lang beim Abschied.

Jakob Lang, Lang & Co. AG, Reiden

Jakob Lang als Model für Kinderkleider.  | Bild: Regina Lüthi

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