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«Muusfalle» Olten

Ein Abenteurer in der Mausefalle

André Häfliger führt Regie in der «Muusfalle» im Stadion Kleinholz. 100 bis 120 Mittagessen werden dort täglich serviert, Tendenz steigend.

André Häfliger führt Regie in der «Muusfalle» im Stadion Kleinholz. 100 bis 120 Mittagessen werden dort täglich serviert, Tendenz steigend.  | Bild: Bruno Kissling

André Häfliger heisst der neue Chef des Restaurants «Muusfalle» im Kleinholz. Der Olten-Heimkehrer ist für den EHCO ein Glücksfall.

10.10.2016 09:38, OT/Irène Dietschi, 0 Kommentare

Schwarzes Sport-Shirt, Jeans und darunter Laufschuhe von Puma in auffälligem Gelb: Äusserlich ist dem Mann nicht anzusehen, dass er in der Küche Regie führt. Mehr noch: Dass er ein Drei-Sterne-Koch und zweifacher Kochweltmeister war und eine internationale Managerkarriere hinter sich hat. Seit Anfang Jahr ist André Häfliger Geschäftsführer im Restaurant «Muusfalle» im Kleinholz. Schnellen Schrittes bewegt sich der 60-Jährige zwischen den gut besetzten Tischen, grüsst hier einen Stammgast, klatscht da ein paar Kinderhände, klopft rasch auf unseren Tisch und ist schon wieder in die Küche verschwunden.

Wir sitzen noch beim Essen. Meine Begleiterinnen haben das Schweinsgeschnetzelte mit Trockenreis und Peperoni-Lauchgemüse gewählt, während ich mir das Rindsmedaillon mit Kräuterbutter, Kartoffelgratin und ebenfalls Gemüse munden lasse. Auch ein vegetarisches Menü wird angeboten, überbackener Blumenkohl in einem Reisring. In jedem Menü inbegriffen sind Salat vom Buffet, Suppe und ein Dessert. Es schmeckt ausgezeichnet – um viele Noten exquisiter, als der bescheidene Preis von 20 Franken etwa für das Rindsmedaillon-Menü erwarten liesse. Wie sich das wohl rechnet?

«Wir kochen alles selber»

«Kommen Sie, ich zeig’s Ihnen», sagt André Häfliger, der plötzlich wieder hinter uns gestanden hat und uns jetzt in die Küche winkt. Dort hebt er den Deckel vom Suppentopf, wo sich das Geheimnis offenbart: Gemüse und Abschnitte vom Rind ziehen in einer kräftigen Brühe – die Suppe für den nächsten Tag. «Wir kochen alles selber, wenn möglich bio», erklärt Häfliger. Zurück am Tisch skizziert er auf der Rückseite der Menükarte sein Geschäftsprinzip: Es werden keine teuren Fertigprodukte, sondern ausschliesslich Frischwaren zubereitet und die Abschnitte weiterverwertet. Bezogen auf die Rindsbrühe heisst dies: Statt 20 Franken für industrielle Bouillon auszugeben, kocht Häfliger seine Tagessuppe quasi zum Nulltarif.

Was den Gästen der «Muusfalle» kaum bewusst sein dürfte: André Häfliger war 40 Jahre lang in aller Herren Länder tätig, bevor er Anfang Jahr zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Er ist ein Rastloser und ein Tausendsassa, sein Lebenslauf liest sich wie ein Abenteuerroman. Aus drei geschiedenen Ehen hat er fünf Kinder. Die Anfänge waren noch gewöhnlich: Aufgewachsen in Dulliken und Walterswil auf dem grosselterlichen Bauernhof, lernte er Koch in Olten, im damaligen Hotel «Adler» bei Jean und Rita Straub. Nach dem Willen der Eltern sollte er später einen der familieneigenen Gastbetriebe in Walterswil übernehmen, doch der ehrgeizige Jüngling hatte grössere Pläne. Mit 19 schaffte er es in die Schweizer Koch-Nationalmannschaft – und wurde zweimal hintereinander Kochweltmeister.

Knapp dem Tod entgangen

Danach hält Häfliger nichts mehr zu Hause. Er verdingt sich als Privatkoch der saudi-arabischen Königsfamilie Fahd und bereist mit ihr die ganze Welt. Ab 1982 macht er Karriere bei der Hotelkette Holiday Inn in den USA. «Ich bin durch sämtliche Stationen marschiert, bis hinauf zum COO-Posten von Food and Beverage», erzählt er. 1992 kehrt er nach Europa zurück und übernimmt in Thüringen eine zu DDR-Zeiten gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Dort entwickelt er auf 2000 Hektar das Tourismus-Projekt «Ponderosa», eine Wildwest-Stadt um die Thüringer Gemeinde Rosa, wo er ein eigenes Pferdegestüt betreibt. Der Stadt Erfurt hilft er, das Gelände der internationalen Gartenbauausstellung IGA zu einem grossen Garten- und Freizeitpark umzubauen und unter anderem den Kindersender Kika dort anzusiedeln. 2002 entgeht er bei einem Autounfall knapp dem Tod. Zwei Jahre kämpft er, bis er wieder auf den Beinen ist.

«Dann rief Puma», erzählt André Häfliger, der sich als «sportaffin» bezeichnet. Nach einem Kochevent übernimmt er 2011 das gesamte Kantinenmanagement des deutschen Sportartikelkonzerns. Er dreht das Konzept auf links, setzt auf frische Zutaten und Bioprodukte.

Alter Hase hilft Quereinsteiger

Und jetzt also, mit 60 Jahren die «Muusfalle» samt Cateringbetrieben im Oltner Kleinholz. Häfliger hat die Geschäftsführung der EHCO-Gastroabteilung zusammen mit dem gelernten Bauleiter Reto Wollschlegel angetreten – der alte Hase bringt dem Quereinsteiger das Handwerk bei. Vor allem aber hat er in wenigen Monaten frischen Wind und sein ganzes Profiwissen in die «Muusfalle» gebracht, die sich seither wachsender Beliebtheit erfreut. Häfliger bezieht seine Ware von lokalen Lieferanten, viele von ihnen dem EHCO als Sponsoren und Fans zugetan. So könne er Preise erzielen, die für beide Seiten stimmten und dem Kunden zugute kämen. «Im Einkauf liegt der Gewinn», lautet sein Credo. 100 bis 120 Mittagessen werden täglich serviert, Tendenz steigend.

Und wenn jetzt die Saison so richtig startet, wird Häfliger sein Konzept ganz einfach multiplizieren: «Dann werden wir bei den Heimspielen des EHCO dreimal während 15 Minuten Gelegenheit haben, Tausende von Gästen zu versorgen.» Qualitativ hochstehend und zu einem günstigen Preis, versteht sich.

Genuss | Olten

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