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Pedro Lenz

E schöni, blutti Frou us Zofige

Pedro Lenz sucht den Dialog: Er schreibt nicht nur für die Kunst, sondern auch und vor allem für das Publikum.  | Bild: mif

Pedro Lenz liest morgen in der Buchhandlung Mattmann aus «Di schöni Fanny»

29.11.2016 09:32, Michael Flückiger, 0 Kommentare

«Zofige han i gwäut, wiu Zofige aune Figure frömd isch, ou mir säuber», sagt der Oltner Schriftsteller Pedro Lenz. In zwei Stunden wird er von Pianist Christian Brantschen begleitet im Berner Kulturlokal La Cappella lesen. Der Abend ist längst ausverkauft, so wie fast jeder weitere auf der Lesetour «Di schöni Fanny». Der Mundartroman um drei Freunde aus dem Künstlermilieu spielt allerdings in Olten. Zofingen ist lediglich Metapher für etwas Unergründliches, Fremdes. Hier kommt die unergründliche Fanny her, die unversehens eine Freundschaft zwischen drei Männern durcheinanderbringt. Der junge Frank Gobeur begegnet ihr an der Schwelle zum Atelier seines Kunstmalerfreundes Louis. «Es isch grad gsi, wie wenn nöimen öpper es Liecht hätt aazündet.»

Geheimnisvolle Verbindungen

Um Jackpot, der so geheissen wird, weil er gerne und mit leidlichem Erfolg auf Fussball, Hunde und Pferde wettet, ist es fortan geschehen. Im Atelier sagt er: «Schmöck mou Louis, schmöck mou. Schmöcksch es ou? I däm Atelier schmöckts nach ere schöne, blutte Frou.» Der versuchte Scherz gerät ihm zum jähen Schmerz: Die Schönheit steht dem fast 70-Jährigen tatsächlich Modell und ist Louis dadurch näher als ihm. Fanny heisst sie, erfährt er, viel mehr nicht. Über die Art ihrer Verbindung lässt ihn Louis im Dunkeln. Aufstossen sollte dies Jackpot noch eins ums andere Mal, späterhin quält ihn gar eine absurde Eifersucht. Erst recht, weil de alte Louis nicht der Einzige ist. Fanny, die ihre Schönheit mit überwältigend unschuldiger Selbstverständlichkeit und Sinnlichkeit zu Markte trägt, hat offenbar auch einen besonders guten Draht zum nicht minder betagten Grunz. Das ist seines Zeichens der Dritte im Bunde der Männerfreundschaft in der Oltner Kunstszene.

Fehlender roter Faden

Am Durchbruch haben die beiden älteren Maler geschnuppert, zu mehr hat es aber nicht gereicht. Immerhin sind sie im Mikrokosmos Olten angesehene Grössen. Diesen Respekt muss sich Jackpot erst noch erarbeiten. Wenn auch seine Absichten für ein Romanprojekt lauter sind, fehlt dem von seinem Bruder durchgefütterten Träumer noch der rote Faden, um das Werk aufs Papier zu werfen. Wenn auch die gemeinsamen Gespräche über Kunst zu den Perlen in diesem schmalen, 183-seitigen Roman gehören: Die beiden Maler und gesetzten Kenner des Kunstverstehens, -wollens und -schaffens können Jackpot bestenfalls beraten. Es ist Fanny, die in Jackpot die Leerstelle schafft, die ihn an den Schreibtisch drängt. Sie gibt ihm viel, wenn auch nicht alles auf einmal, und auch nur Moment auf Moment. Fanny, das ist eine, die sich ihre Freiheiten nimmt und wahrt. Die Lücken, die die Sehnsucht schafft, das Geheimnis um die Verstrickungen zwischen Louis, Grunz und Fanny sind Triebfedern zur Kunst. Jackpot gelingt es, seinen Roman in Angriff zu nehmen und gar zu vollenden. Jetzt erst ist er bereit dafür, all das zu erfahren, was ihm von den Freunden vorenthalten worden ist. Doch das lese man am besten selbst.

Pedro Lenz lotet die Eigenart, den Rhythmus und Klang der Sprache mit grossem musikalischen Gespür aus. Was so selbstverständlich klingt, ist in Wahrheit sorgsam gedengelt und gebosselt. «Damits natürlech tönt, muess i sehr künschtlech schribe», sagt Pedro Lenz, «das vergässe d'Lüt aube.» «Die schöni Fanny» ist ein langsames Buch. Es reisst den Leser aus dem Strudel der Zeit heraus. Jede Seite verlangt ihre Lese- und Einwirkzeit, damit sich die Stimmung, der sorgfältig ausgearbeitete Klang der Worte und die eindringlichen Dialoge der Figuren ausbreiten können. Wer genau hinhört, erkennt eine wunderbare Sprachmusik - und geniesst.

Vollendung im Dialog

Und doch ist der fein gearbeitete, geschliffene Roman in den Augen von Pedro Lenz damit noch nicht vollendet. Der 51-jährige Oltner Schriftsteller, der in seinem Schaffen so ernsthaft, kleinstädtisch-bodenständig und zugänglich ist wie kaum ein anderer, sagt: «S'Buech isch ersch fertig, wenn is im Dialog mit de Läser cha teile - zum Bispüu a re Läsig.» Da können sich die Zuhörer auf etwas freuen - sofern sie für morgen Mittwoch bereits ein Ticket ergattert haben. Die Qualitäten, die Pedro Lenz als Person und Schriftsteller verkörpert, sind begehrt.

Pedro Lenz liest morgen Mittwoch, 20. November, um 20 Uhr in der Buchhandlung Mattmann in Zofingen. Der Anlass ist bereits (fast) ausverkauft.

Altstadt | Ausgang | Bühne | Zofingen

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