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Schlafen an Festivals

Dringend gesucht: Schlaf!

 | Bild: www.heitere-events.ch

Mindestens einmal pro Festival muss man schlafen. Die Frage ist nur, wo?

05.07.2017 15:29, guez/schwe, 0 Kommentare

«Heitere»-Camping – der Klassiker

Wer die Open-Air-Stimmung auch nächtens miterleben will, der campiert natürlich gleich auf dem «Heitere»-Camping selbst, welcher schweizweit als einer der besten Event-Campingplätze angeschaut wird. Dies, weil auf dem «Heitere» lockerere Bedingungen herrschen als anderswo. So sind etwa grundsätzlich Zelte jeder Art und Grösse erlaubt. «Wir setzen auf weniger Regeln, dafür auf mehr Eigenverantwortung», erklärt Dirk Stolp, der seit vierzehn Jahren vor Ort arbeitet, die letzten vier Jahre als Zeltplatzchef. Es herrsche stets ein multikulturelles Miteinander und die Stimmung sei jeweils sehr gut. «Klar gibt es immer Personen, die sich daneben verhalten, wir verzeichnen aber jeweils wenig Vorfälle», so der Sozialpädagoge. Viele Stammgäste hätten begriffen, wie sie sich zu verhalten hätten, und dies wirke sich dann auch auf die Geborgenheit der «neuen» Gäste aus. Stolp betont auch, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Gästen und dem Personal jeweils ablaufe und der gegenseitige Respekt gepflegt werde.

Wieviele Personen auf dem Heiternplatz jeweils übernachten, lässt sich schwer berechnen. «Zwischen 5000 und 8000 Besucher», schätzt Stolp. «Wir können ja nicht wissen, ob nun zwei oder drei Personen in einem Zelt übernachten.» Kein Thema ist für die Veranstalter ein Massenzelt. «Wir hatten das in den Anfangszeiten des Heitere-Campings, sind aber von der Idee wieder abgekommen, auch weil die Nachfrage bescheiden war», sagt Festivalleiter Christoph Bill. Und Stolp ergänzt: «Auch aus Sicherheitsgründen – wo sollen die Besucher ihre Wertsachen deponieren? Zum anderen aber auch deshalb, weil das Zelt dann je nachdem zur Partyzone wird und so an Ruhe natürlich nicht mehr zu denken ist», sagt Stolp und verweist auf die günstigen Preise. Ein Zeltvoucher für alle Tage kostet gerade einmal 40 Franken. Auch sogenannte VIP-Camping-Zonen wird es auf dem «Heitere» nicht geben. «Wir wollen die gute, gemeinschaftliche Stimmung erhalten», so der 49-Jährige.

Natürlich müssen auch auf dem «Heitere»-Camping Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. So sind etwa grosse Gasflaschen, Notstromaggregate oder offene Feuer verboten. Wer jedoch schon einmal das Campingdorf auf dem Zofinger Hausberg besucht hat, merkt schnell, welch lockere Atmosphäre herrscht. «Es braucht Bereitschaft, kleine aber wichtige Regeln zu beachten», sagt Stolp. Er rät trotzdem, Wertgegenstände zuhause zu lassen und die gute Stimmung mitzubringen. Und: «Eine gewisse Lärmtoleranz sollte natürlich auch vorhanden sein – oder man packt eben die Oropax noch mit ins Gepäck.» (guez)

 

In fremden Betten schlafen

Wem ein Campingplatz zu laut und schmuddelig, ein Hotelzimmer aber zu teuer ist, der bedient sich der Onlineplattform Airbnb, auf welcher Privatpersonen Zimmer anbieten. Dabei verzeichnet der Community-Marktplatz in den letzten Jahren enormen Erfolg: Nach eigenen Angaben stehen auf der Website über 2 Millionen Inserate in über 190 Ländern zum Angebot.

Seit Januar 2016 ist auch die Zofingerin Tina Sigerist auf Airbnb vertreten – zuvor war ihr Haus bei der Stadt als Bed & Breakfast angemeldet. Zwei Heitere Open Air sind seitdem über die Bühne gegangen – bei beiden beherbergte die 53-Jährige Fans, welche das «Heitere» besuchten. «Das erste Jahr übernachteten zwei Frauen bei mir, letztes Jahr waren es dann schon drei», freut sich Sigerist, die in ihrem Haus im Zofinger Amslergut ein Zimmer mit zwei Schlafplätzen sowie ein Notzimmer – «für alle Fälle!» – anbietet. «Am Open Air sind die Zimmer jeweils nicht so wichtig, die Frauen wollen ja eigentlich nur schlafen», schmunzelt die Erwachsenenbilderin. Nur Frauen? Ja, das haben die Mutter und ihre Tochter so beschlossen, denn die Gäste schlafen und leben auf der gleichen Etage wie sie selbst und benutzen auch dasselbe Bad. «Es ist angenehmer so, wenn es ein Frauenhaushalt bleibt», sagt Sigerist.

Probleme gab es bislang keine zu verzeichnen, weder auf menschlicher noch auf akustischer Seite. «Ich schlafe wie ein Stein und höre jeweils nicht, wenn die Gäste nach Hause kommen», sagt Sigerist. «Ich nehme an, sie sind anständig müde und gehen gleich ins Bett.» Sowieso, viel sieht man sich nicht, aber «letztes Jahr haben sie am Nachmittag in der Etagenküche ihren Kater auskuriert», lacht sie.

Ansonsten zeigt die Vermieterin den Frauen am Anfang das Wichtigste, danach wird individuell gelebt. Aber natürlich hat Sigerist auch immer ein paar Tipps auf Lager, wie beispielsweise den Schleichweg zum «Heitere» über den Philosophenweg. «Das ist ja fast näher, als wenn sie vom Shuttlebus noch ins Amslergut laufen müssen.» Wie es scheint, ist auch Sigerist bei den Gästen beliebt. Nicht nur ist sie jeweils am Powerman ausgebucht, auch die drei Frauen vom letzten Heitere Open Air haben den Aufenthalt genossen, wie sie auf der Website von Airbnb schreiben: «Wir wurden von Tina sehr herzlich empfangen. Es hat alles bestens geklappt mit der Zeitangabe und dann mit der Übergabe des Zimmers. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.» Da überrascht es nicht, dass sie für das kommende Open Air bereits wieder gebucht haben. (guez)

 

Hotelzimmer – ein rares Gut

Wahnsinnig viele Hotels kann die nähere Umgebung von Zofingen ja nicht vorweisen, in dieser überschaubaren Anzahl ein freies Hotelzimmer zu finden, dürfte allerdings ziemlich schwierig werden. «Absolut chancenlos, in dieser Woche ein Zimmer zu kriegen», sagt Ruedi Günthardt, Gastgeber im Hotel Zofingen, sozusagen der «ersten Adresse» vor Ort. «Wir arbeiten eng mit dem Heitere-OK zusammen, unser Kontingent ist jeweils immer schon fürs kommende Jahr ausgebucht, weshalb wir a priori gar keine Zimmer für Drittpersonen anbieten können.» Stars, verrät uns Günthardt, residieren nur in Ausnamefällen in Zofingen, auch nicht in seinem Hotel.

Ebenfalls beinahe komplett ausgebucht am Heitere-Wochenende sind das Hotel Raben und das Hotel Engel in der Zofinger Altstadt. Während im Engel vorwiegend Menschen übernachten, die auf dem Hausberg arbeiten, sind es im Raben eher jüngere Festivalbesucher. «Wir sind mit 69 Franken pro Einzelzimmer wohl die günstigste Übernachtungsmöglichkeit in Zofingen nebst Zeltplatz oder Jugi», teilt man uns von der Raben-Rezeption mit, «deshalb sprechen wir wohl ein eher jüngeres Publikum an». In beiden Fällen wird meist am Festival-Sonntag gleich fürs nächste Jahr reserviert.

Im Hotel Römerbad «da Vito», das erst seit letztem Jahr 7 Zimmer anbietet, ist ebenfalls nichts mehr zu wollen. Am Fusse des Heitern gelegen, wäre das Römerbad distanzmässig natürlich ideal. «In der Heitere-Woche haben wir nur noch am Montag und Dienstag ein, zwei Zimmer frei, dann ist Schluss. Die Gäste von letztem Jahr haben eben alle gleich wieder reserviert für dieses Jahr» sagt Gastegeberin Caterina Mariniello.

Etwas mehr Glück könnte man im Hotel Adelboden in Wikon oder im Ibis Rothrist haben. Zumindest Ende Juni hat es in beiden Hotels noch Kapazitäten während des Festival-Wochenendes. Im Ibis sind es zwar noch drei, vier verfügbare Zimmer, die mit 139 Franken pro Nacht nicht gerade ein Schnäppchen sind, wobei «die Preise noch steigen könnten», wie man auf Anfrage zugibt. Angesichts der Tatsache, dass man nachts noch irgendwie von Zofingen nach Rothrist gelangen müsste, ein finanzieller Aufwand, den wohl eher ältere Besucher auf sich nehmen würden, bzw. könnten.

Da bietet sich das Hotel Adelboden eher an, sowohl von der Entfernung her, als auch von den attraktiven Zimmerpreisen von 85 Franken fürs Einzel- und 130 Franken fürs Doppelzimmer. Laut Frau Stangerl von der Rezeption hat es an allen Tagen noch freie Zimmer. «Es sind in der Regel eher ältere Festivalbesucher, die den Luxus eines

Hotelzimmers in der Nähe des Geländes geniessen, die Jungen sind ja sowieso alle auf dem Zeltplatz oder verzichten ganz aufs Schlafen», vermutet die Gastgeberin des Hotels Adelboden, und fügt hinzu: «Unsere Openair-Gäste sind jedenfalls äusserst angenehme Leute, mit denen wir nie Probleme haben.» Diese Einschätzung teilen alle der Hoteliers, die wir angefragt haben.

Nun haben wir ja immerhin noch die Zofinger Jugendherberge, die ist günstig und super gelegen, werden Sie nun denken. Recht haben Sie natürlich, aber genau die beiden eben erwähnten Kriterien führen dazu, dass die Jugendherberge total ausgebucht ist, wie man uns bei der Zentralstelle der Schweizer Jugendherbergen mitteilt.

Wer übrigens gehofft hat, es gäbe irgenwelche attraktiven «Übernachtungs-Packages» fürs Heitere-Openair, irrt sich, denn eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall: Aufgrund der enormen Nachfrage sind die meisten der genannten Hotels verständlicherweise eher dazu übergegangen, die Preise anzuheben. (schwe)

 

Campieren abseits des «Heitere»?

Günstiger als alle Hotels wäre natürlich der Zeltplatz. Aber was tun, wenn man keinen Platz auf dem Gelände mehr ergattern konnte? Eine praktikable, wenngleich nicht wirklich ideale Variante wäre, auf den Campingplatz Wiggerspitz in Aarburg auszuweichen. «Wir haben tiptop Platz während des Openairs», hören wir von der Rezeptionistin. Ein Stellplatz für ein grösseres Zelt oder einen Caravan kostet lediglich 12 Franken, dazu kommt pro Person eine Pauschale von 8 Franken pro Tag. Problematisch ist allenfalls die Distanz nach Aarburg, darum wird sich bestimmt schon der eine oder andere gewiefte Open-Air-Besucher überlegt haben, mit einem Caravan in der Nähe des Festivalgeländes zu übernachten.

«Eine naheliegende, aber praktisch kaum durchführbare Idee», heisst es bei der Regionalpolizei Zofingen. Zwar dürfe man z.B. einen VW-Bus, der in ein Parkfeld passt, auch in ein solches parkieren und eigentlich auch drin schlafen, die Frage ist aber eher, was tut man den ganzen Tag damit, denn: Stetiges Nachzahlen ist nicht erlaubt, ständiges Umparkieren ebenfalls nicht. «Die einzige wirklich unkomplizierte und legale Variante ist eigentlich die, dass man einen Camper auf ein Privatgrundstück stellt, natürlich nur, sofern man die Erlaubnis des Eigentümers hat», teilen uns die Gesetzeshüter mit. Zeit genug, einen Privatparkplatz zu suchen, wäre eigentlich bis zum Festival noch genügend übrig.

Aus unserer Erfahrung empfehlen wir: Investieren Sie das Geld, das ein Hotel oder der Zeltplatz kosten würde, in ein paar erfrischende Getränke, in deren Gesellschaft Sie sich die Nacht ohne zu schlafen um die Ohren schlagen können. Sie werden in bester Gesellschaft sein. (schwe)

Heitere | Magazin | Open Air

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