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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Aarauer «Barracuda» schliesst im Dezember – warum eigentlich?

Barracuda

Gert Siegenthaler, Kopf hinter der «Barracuda-Bar» an der Metzgergasse, sucht eine neue Location.  | Bild: Nadja Rohner

Die Bar «Barracuda» an der Aarauer Metzgergasse wird Ende Dezember wohl schliessen müssen. Warum, weiss niemand so genau.

05.09.2017 10:49, Nadja Rohner/AZ, 0 Kommentare

Noch vor einem Jahr hatte Gert Siegenthaler noch gesagt: «Eigentlich ist das Barracuda in Aarau schon viel zu fest verwurzelt, um es zu schliessen.» Und nun scheint doch kein Weg daran vorbeizuführen: Der Club an der Metzgergasse geht Ende Dezember zu. Der Vermieter hat die Kündigung ausgesprochen und hält daran fest.

Formal ist das Barracuda ein Vereinslokal, Kern der losen Gruppierung sind Gert Siegenthaler, Ricardo Magni und Dani Schneider. Hinein kommt theoretisch nur, wer eine Membercard hat, aber so genau nimmt es eigentlich niemand. In den Räumen waren schon ein Coiffeur, ein Elektronik-Laden, ein türkisches Reisebüro. Und seit Herbst 2008 das Barracuda. «Ich wollte schon immer ein zweistöckiges Geschäft», sagt Gert Siegenthaler, der früher das «Baby Doll» an der Pelzgasse betrieb.

Heute findet man hier nebst der Bar Verkaufsflächen für Skate- und Kite-Zubehör, Slacklines sowie Tonträger. Im Untergeschoss befindet sich ein Gewölbekeller – ausgebaut als kleiner Konzertsaal. Oft wird er von Bands aus der Region bespielt, die es zunehmend schwer haben, geeignete Locations zu finden. «Wir haben Anfragen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland. Bands kommen immer wieder gerne zu uns zurück, weil sie die familiäre Atmosphäre schätzen.»

Das Barracuda-Publikum ist bunt gemischt, Kantischüler, Pensionierte, alles dazwischen. Viele Stammgäste. Auf den Tischen liegen Brettspiele, «manche spielen den ganzen Abend lang Mühle», sagt Siegenthaler. Das Barracuda, so sagt er, soll ein Ort sein, wo man reden kann, Musik vom Plattenspieler hört, nicht den ganzen Abend aufs Handy schaut.

Es sei weder ein professionelles noch ein gewinnorientiertes Lokal, betont Gert Siegenthaler: «Ziel ist nur, nicht drauflegen zu müssen.» Die Mitarbeitenden arbeiten für einen «Unkostenbeitrag», Eintritt wird nicht erhoben, die auftretenden Künstler erhalten das, was am Ende des Abends im Kollektentopf liegt. Die Preise für Getränke, an der Wand angeschlagen, liegen am untersten Bereich des Möglichen.

Die Probleme begannen mit einem Umbau 2014. Das Barracuda-Team nahm den Umbau des Gewölbekellers in Angriff, entfernte den grossen Heiztank, schaffte Platz für Veranstaltungstechnik, eine kleine Theke, eine Bühne. «Mit Einverständnis des Eigentümers», betont Siegenthaler.

Ein Jahr lang ging alles gut. Dann, 2015, habe der Vermieter von einem Tag auf den anderen verlangt, dass die Konzerte im Keller aufhören müssten. Es kam zu einem Streit, zwar nicht lauthals, aber mit verhärteten Fronten. Im November 2016 erhielt das Barracuda die Kündigung. «Ich sehe einfach den Grund nicht», sagt Siegenthaler. Der von der AZ kontaktierte Vermieter sagt, er möchte sich zur Angelegenheit nicht äussern.

Ein paar Monate Gnadenfrist

Eigentlich hätte das Barracuda schon im vergangenen Mai ausziehen sollen. Das Schiedsgericht gewährte eine Mieterstreckung. «Weil wir so viel ins Lokal investiert haben», sagt Siegenthaler. «Die Einnahmen aus gut fünf Jahren sind in den Ausbau des Kellers geflossen. Das Geld können wir nicht mitnehmen – und das tut besonders weh.»

Vor dem Schiedsgericht habe der Vermieter als Grund für die Kündigung den Lärm durch die Konzerte angegeben, so Siegenthaler. Insgesamt ist das Barracuda während etwa zehn Stunden in der Woche geöffnet, meist donnerstags (bis 23h), freitags und/oder samstags (bis 1 Uhr). Konzerte finden höchstens zweimal im Monat statt. «Lärmmessungen haben ergeben, dass man sie im ersten Stock teilweise hört, im zweiten schon nicht mehr», sagt der Barracuda-Chef. «Bei uns herrscht nicht Rambazamba.»

Vielleicht, so mutmasst Siegenthaler, störe den Vermieter, dass der Fluchtweg – sollte er einst gebraucht werden – durchs Büro der Vermietergattin führt. Oder die Tatsache, dass Besucher auf dem Weg zum WC das Treppenhaus des Wohngebäudes betreten müssen – an der Tür des Barracuda hängt extra ein Schild, das die Besucher auffordert, leise zu sein. «Wir haben dem Eigentümer Lösungen präsentiert, wie wir das WC innerhalb des Lokals unterbringen könnten», so Siegenthaler. «Vergeblich.»

Er hofft, dass sich noch ein Türchen öffnet. Verschiedene Lokalitäten haben die Barracuda-Verantwortlichen schon angeschaut, das Passende war nicht dabei. Innenstadt, optimalerweise mit Keller und möglichst nicht über 2000 Franken. Ganz hat Siegenthaler die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, dass das Barracuda bleiben darf. Nach den Sommerferien hat er den Vermieter letztmals gefragt. Ohne Erfolg.

September-Anlässe im Barracuda Club: 16.: Konzert «Autisti». 22.: Bachfischet Singles-Party. 29.: Konzert Simia Sapiens. Jeweils ab 21 Uhr. Eintritt frei

Ausgang | Kultur | Musik

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