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TV ist tot - es lebe die Flatrate Videothek!

Alle Arten, heute fern zu sehen

Fernsehgerät

 | Bild: www.vivreheureux.fr

Früher war alles einfacher. Es gab nur eine Möglichkeit und die war für alle aus der Umgebung gleich. Heute überschlagen sich die Angebote und keines hat sich wirklich etabliert. Im Moment kann man kaum abschätzen, welches Konzept sich langfristig durchsetzten wird. Eines scheint aber klar: Das alte TV ist tot.

06.04.2016 09:00, René Jossen, 0 Kommentare

Flatrate Videothek

Fangen wir mit dem neusten im Bunde an. Vieles wird heute online in Abos abgewickelt. Ob es nun Spotify und Apple mit Musik oder Adobe mit Software ist. Der Trend liegt eindeutig im Komplettangebot zum scheinbar kleinen Preis. Das Konzept ist einfach: Man nutzt nur wenig hätte aber Zugriff auf alles und findet deshalb den eigentlich zu hohen Preis in Ordnung. Im TV-Markt haben wir in der Schweiz drei grosse Namen. Teleclub Play, UPC MyPrime und allen voran der US-Import Netflix. Angebot und Preis variieren leicht, sind sich aber eigentlich ziemlich ähnlich. Der Inhalt von Netflix ist zwar viel umfangreicher, aber folgt den gleichen Regeln: vor allem altes und alternatives, diverse Flops und ab und zu ultraneue, total gehypte Eigenproduktionen. Grundsätzlich findet man selten überhaupt etwas, wenn man spezifisch sucht, aber häufig gutes, wenn man sich einfach überraschen lässt.

On-Demand-Videothek 

Der grosse Bruder von der Flatrate sind on-demand-Filme. Neben Apple, der Swisscom und UPC gibt es hier noch viele weitere Anbieter. Sowohl die Xbox als auch die PS4 haben ein VOD-Angebot. Aber auch Google, Amazon und viele weitere bieten ähnliche Services an: Für weniger als CHF 10.– kann man sich Filme für einige Tage ausleihen. Im Gegensatz zu den Flatrate-Anbietern hat man hier auch ganz neue und erfolgreiche Filme drin. Das ist, was den VOD-Markt konkurrenzfähig hält. Ältere Filme leiht man tendenziell eher nicht mehr, sondern hofft eher darauf, dass sie irgendwann in der bevorzugten Flatrate-Videothek erscheinen.

Gratis Videoportale

Quasi das Urgestein der Internetvideos sind Services wie Youtube, Vimeo oder Clipfish. Sie bieten Videos gratis, zum Teil durch Werbung finanziert an. Der Unterschied zu den anderen Anbietern ist, dass im Normalfall jeder eigene Videos hochladen und anbieten kann. Das macht die Suche nach Inhalten natürlich schwieriger. Es wirkt alles vergleichsweise unaufgeräumt. Dennoch kann man auch hier alles finden, was das TV bietet: Unterhaltung, News, Dokus, Serien, Filme. Die Video- / Produktionsqualität ist einfach sehr schwankend und viele Inhalte gibt es nur auf Englisch. Die bekannten Nachteile von «gratis» eben.

Nicht-lineares Fernsehen

Zu all diesen Wildwuchs-Anbietern gesellen schliesslich auch noch die altbekannten Fernsehsender. Sie haben ihr Programm, welches sie unbeirrbar Stunde für Stunde in alle Richtungen broadcasten. Früher bedeutete das, wenn man am Nachmittag nicht zuhause war, verpasste man das Nachmittagsprogramm. Einige hatten Videorecorder, aber deren Einsatz musste sehr gut geplant werden. Heute bieten diverse Anbieter digitales Fernsehen an und bieten dabei nicht schier unendliche Aufnahmemöglichkeiten. Ein relativ neuer aber bereits stark verbreiteter Trend ist es, die meisten TV-Sender generell schon mal aufzuzeichnen. Wenn der Zuschauer dann am Mittwochabend das Gefühl hat, er wolle etwas vom Montagmittag sehen, kann er einfach zurückspulen.

Lineares-TV

Schliesslich gibt es noch das gute alte Fernsehen, wie es halt ist. Es gibt immer noch viele Leute, die TV-Sendungen genau dann konsumieren, wenn sie auch ausgestrahlt werden. Böse Zungen behaupten zwar, das alte Fernsehen würde es bald nicht mehr geben. Solange es aber noch Fernsehsender gibt, wird auch das lineare Fernsehen mit all seinen Nachteilen und dem einen Vorteil noch geben. 

Persönlich konsumiere ich Videomedien vor allem via Netflix und Youtube. Ab und zu leihe ich auch Filme aus. Netflix hat mich aber sehr wählerisch gemacht. Früher gab ich ziemlich schnell CHF 3.– für einen vielleicht schlechten Film aus. Heute schaue ich mir zuerst Reviews an und wenn der Film schlecht sein könnte, leihe ich ihn nicht. Da kann ich gleich «gratis» einen schlechten Film auf Netflix schauen. Einige wenige TV-Serien schaue ich noch auf SRF oder ORF gleich wenn sie erscheinen oder ein paar Tage später. Einfach, weil ich sie bei den anderen Anbietern nicht kriege. Dadurch habe ich nur eine tolle Sache verloren: Das Gemeinschaftsgefühl. Viele Freunde von mir haben dieselben Interessen und schauen zum Beispiel dieselben Serien. Mit kaum jemandem kann ich aber wirklich darüber sprechen, da niemand gleich weit ist. «Hast du gestern Abend auch Akte X gesehen!?» gibt es nicht mehr.

Ich habe mich beim Schreiben dieses Artikels gefragt, ob ich Wörter wie «Flatrate» näher erklären müsste. Dann wurde mir aber klar, dass wohl immer weniger Menschen wissen, was ein «Videorecorder» ist. Aus dieser Erkenntnis schliesse ich, dass das TV, wie wir es von «früher» kennen, tatsächlich am Absterben ist. Die kommenden Generationen werden das lineare, zeitgebundene Fernsehen immer weniger kennen und es so gar nicht erst vermissen können. Am längsten werden wahrscheinlich Sender mit Liveveranstaltungen überleben. Aber auch diese werden wohl langsam in andere Gefässe wandern.

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