AgendaKarte
Inhalt
Sortierung
Heitere regiolive.tv radioinside.ch ZT-news
AgendaKarte

Fähnlifrässer

140 Zeichen

140 Zeichen

Form follows Function. Das sagen Designer und es leuchtet ein. Was passiert, wenn das Prinzip vernachlässigt wird, zeigen zahlreiche Designer-Zitronenpressen aus den 80igern, die wohl rattenscharf aussehen, aber höchstens zwei Drittel des verfügbaren Saftes aus der Zitrone pressen.

18.05.2017 08:22, schwe, 0 Kommentare

Das auszupressende Innere der Zitrone hat halt eher die Form einer Halbkugel als die eines spitzen Zylinders. Schlimm ist das nicht, genauso wenig wie die unbrauchbare Stimorol-Verpackung, der eigentlich die Funktion zukäme, 10 Kaugummis ein paar Tage lang im Hosensack transportierfähig zu machen, aber spätestens am zweiten Tag in ihre Einzelteile zerfällt und die schutzlosen Kaugummis in unheilvolle Nachbarschaft zum Hausschlüssel entlässt.
Bisweilen wird das eingangs erwähnte Prinzip auch bewusst umgedreht. Nehmen wir den Kurznachrichtendienst Twitter. Dadurch, dass die Form a priori limitiert ist auf 140 Zeichen, ist auch die Funktion eingegrenzt auf – natürlich! – Kurznachrichten. 140 Zeichen reichen weder für eine tiefgehende Analyse, noch für eine anständige Liebeserklärung. Ich gehe davon aus, dass die Limitierung auf 140 Zeichen die Twitterer zu Kürze, Prägnanz und Relevanz zwingen soll. Das ist absolut begrüssenswert. Wer selber schreibt, weiss, dass das Streichen von Unnötigem die zeitaufwändige und mühsame Arbeit darstellt und nicht das ungebremste, schriftliche Vor-Sich-Hin-Plappern.
Insofern ist Twitter eine gute Denk- und Schreibschule. Oder könnte es zumindest sein, gäbe es da nicht ein anderes Problem: Die schiere Menge an Tweets, auf die der Twitterer reagieren muss. Oder will. Oder glaubt zu müssen. Zielt die verordnete Kürze also gar nicht auf erhöhte Prägnanz ab? Fördert sie vielmehr eine oberflächliche Meinungsäusserungs-Kultur, in der es wichtiger ist, Präsenz zu markieren als reflektierten Inhalt zu präsentieren? Eines steht jedenfalls fest: wollte Twitter tatsächlich das letzte Drittel Saft aus den Hirnen seiner User pressen, so müssten die Form noch viel dramatischer begrenzt werden: auf einen Tweet und eine Reaktion auf einen Tweet pro Tag. 

Fähnlifrässer | Kommentar

Kommentar schreiben

Dein Eintrag wird überprüft und so schnell wie möglich online gestellt.


Zu diesem Artikel gibt es bisher keine Kommentare


«Mundart löst bei den Hörern einen Um- und Abschaltimpuls aus» Übernehmen nun wieder die Hobbyrocker? Nach dem Tod von Polo Hofer geht das Mundart-Genre schwierigen Zeiten entgegen. 85-Jährige lässt es weiterhupen Ziviler Ungehorsam im hohen Alter Die Zürichsee-Posse um hupende Schiffe geht in eine neue (Schwimm)-Runde: Eine 85-Jährige in Stäfa protestiert gegen das Hup-Verbot auf ganz sportliche Weise. Weshalb Pedro Lenz als Jugendlicher alle Hofer-Texte transkribierte Mut zur Normalität der Sprache Schriftsteller und «Nordwestschweiz»-Redaktor Pedro Lenz über Polo Hofer, der ihn ermutigt hat, Geschichten in verständlicher Umgangssprache zu erzählen. Der Fähnlifrässer - das prähistorische Wesen Fremdklicken Heute feiern wir den Tag des Online-Datings. Bevor ich mitfeiern kann, muss ich mir allerdings überlegen, was man am Online-Dating gut finden könnte. «Bsetzistei» Wie es vom Ufer aus hupt, so hupt es zurück Redaktor guez über eine Lärmklage, die sich am Schluss als Eigentor herausstellt. Fähnlifrässer Tabak und schlappe Pfeifen Die Franzosen sind uns in Vielem voraus. Zu diesem Vielen gehört allerdings weder die Musik, noch das Bierbrauen, soviel vorweg. Und weiter geht die Hitzewelle.... Zum Glück müssen wir nicht hecheln Schwitzen ist vielleicht nicht sexy, aber dringend nötig. Denn nur so können wir unseren Körper kühlen. Gegentrend zu Globalisierung Das Woodstock der Jodelfreunde Am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig werden 150 000 Besucher erwartet. Für Tradition und Brauchtum interessieren sich heute nicht mehr nur konservative Kreise. «Veganes Rindfleisch-Filet in Stücken» oder einfach «Väse»? So (k)ein Käse Veganer Käse darf nicht Käse heissen, haben die höchsten Richter der EU gestern entschieden. Haben die nichts Wichtigeres zu tun? Eine Polemik. Eine weitere Rock-Legende hat uns freiwillig verlassen Der Endzeitprophet ist verstummt Rocksänger Chris Cornell (52) wurde nach einem Konzert in Detroit tot aufgefunden.
Neue Artikel werden geladen
Neue Veranstaltung erfassen